Kritik am Sozialsystem
Höhere Tariflöhne für Pflegekräfte – die Kosten müssen Pflegebedürftige und Angehörige tragen

Eine Pflegekraft geht in einem Pflegeheim mit einer älteren Frau über einen Korridor

© Christoph Schmidt / DPA

01.09.2022, 10:12
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Kaum verbessern sich die Arbeitsbedingungen in der Pflege ein kleines bisschen, kommt der nächste Aufschrei: Die Tarifbezahlung soll auf die Pflegebedürftigen abgewälzt werden. Die höheren Löhne steigern die Kosten – und finanzielle Nöte.

Die verpflichtende Tarifbezahlung in der Altenpflege greift – der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) warnt vor diesem Hintergrund vor Preissteigerungen für die Betroffenen. Dazu dürfe es nicht kommen, sagte DGB-Vorstandsmitglied Anja Piel der Deutschen Presse-Agentur in Berlin und appellierte an die Ampel-Koalition, versprochene Reformen zur Finanzierung der Pflege zügig anzugehen. Sozialverbände hatten bereits vor höheren Kosten für Pflegebedürftige beziehungsweise ihre Angehörigen gewarnt. Auch die Arbeitgeberseite warnte vor Mehrkosten.

Pflegeeinrichtungen und Pflegedienste müssen von diesem Donnerstag an nach Tarifverträgen oder ähnlich zahlen, um weiterhin mit den Pflegekassen abrechnen zu können. Die gesetzliche Vorgabe war noch von der alten schwarz-roten Bundesregierung auf den Weg gebracht worden – auch um dringend gesuchte Pflegekräfte im Beruf zu halten und zu gewinnen. Inzwischen haben rund 90 Prozent aller Einrichtungen eine entsprechende verpflichtende Rückmeldung zur Tariftreue abgegeben, wie der Bundesverband der Allgemeinen Ortskrankenkassen (AOK) auf dpa-Anfrage mitgeteilt hatte.

„Tariftreue ist eine gute Nachricht für die Beschäftigten in der Pflege, die schon viel zu lange auf faire Löhne gewartet haben“, sagte DGB-Vorstandsmitglied Piel. „Die Kosten dafür jetzt den Pflegebedürftigen und ihren Familien…