Den Tod des iranischen Schriftstellers, Dramatikers, Dichters, Verlegers und Journalisten gab die Instagram-Seite „Haus der Kunst und Literatur Hedayat“ bekannt – in einem kurzen Post. Maroufi starb am Donnerstag (01.09.2022) um 4 Uhr morgens im Krankenhaus. Im Sommer 2019 hatte er bekanntgegeben, dass bei ihm Lymphdrüsenkrebs diagnostiziert worden war. Der Inhaber des Gardoon-Verlags und Leiter des Kulturzentrums „Haus Hedayat“ lebte und wirkte seit 1996 in Deutschland und arbeitete zeitweilig auch für die Deutsche Welle.

Kain und Abel im Nordiran

Abbas Maroufi wurde am 27. Mai 1957 in Teheran geboren. Er studierte dramatische Literatur an der Fakultät für bildende Künste der Universität Teheran und begann seine literarische Karriere unter Anleitung von Houshang Golshiri und Mohammad Ali Sepanlou. Gleich mit seinem Debütroman „Symphonie der Toten“ gelang Maroufi 1989 ein Achtungserfolg in der iranischen Literaturszene. 

Abbas Maroufi (links) im Jahr 2004

Kunstvoll und vielschichtig erzählt der Roman die Geschichte der Brüder Aidin und Urhan in der nordiranischen Stadt Ardebil zwischen 1940 und 1970. Der Vater handelt mit Trockenobst und möchte sein gut laufendes Geschäft an seine Kinder weitergeben. Doch Aidin hat kein Interesse an dem Laden – er liebt Bücher über alles und beginnt, sich selbst Wissen anzueignen. Ganz anders sein geldgieriger Bruder Urhan, der gemeinsam mit dem Vater Aidins literarische Interessen misstrauisch beäugt – bis er die Bücher und Manuskripte seines Bruders schließlich sogar verbrennt. Der Autor verlegt den Bruderstreit zwischen Kain und Abel ins nordiranische Ardebil. 

Engagement in zwei Kulturen

1986 gründete Maroufi in Teheran den Verlag Gardoon, dem er vier Jahre später eine gleichnamige Literaturzeitschrift folgen ließ, als deren Herausgeber er fungierte. Doch bereits 1993 wurden Verlag und danach auch Zeitschrift von den iranischen Zensurbehörden verboten – Maroufi wurde zu Auspeitschung und Haft…