Migration
Ein Jahr nach Kabuls Fall: Mohammadis neues Leben in Sachsen

Der ehemalige Bundeswehr-Übersetzer Khosrow Mohammadi in seiner Wohnung in einer sächsischem Kleinstadt. Foto

© Arne Immanuel Bänsch/dpa

Jahrelang arbeiteten afghanische Ortskräfte für Bundeswehr und deutsche Ministerien – dabei riskierten sie auch ihr Leben. Als die Taliban zurückkam, machte sich Panik breit. Viele stecken weiterhin fest.

Als die Taliban im Sommer 2021 in Afghanistan die Provinzen überrennen, hagelt es in den Wohngebieten von Masar-i-Scharif Raketen. Für den Bundeswehr-Übersetzer Khosrow Mohammadi ist klar, dass er mit seiner Familie fliehen muss. Die Visa sind fertig, auch ein Flug ist gebucht. Doch angekommen in der Hauptstadt Kabul, geht Mitte August plötzlich nichts mehr. Die militanten Islamisten sind bereits in der Stadt. „Als ich bewaffnete Männer ohne Uniformen gesehen hab, wusste ich, dass etwas nicht stimmt.“

An den folgenden Tagen gehen Bilder von Chaos, Tod und Leid um die Welt. Menschenmassen strömen zum Flughafen und versuchen zu entkommen. Eltern reichen ihre Kinder über Betonmauern, verzweifelte Afghanen klammern sich an Flugzeugteile und stürzen vom Himmel. Und die internationalen Streitkräfte versuchen, so viele Menschen wie möglich zu evakuieren. „Dreimal haben wir versucht, in den Flughafen zu gelangen“, erzählt der 32-jährige Mohammadi. Doch seine Frau ist schwanger, drei kleine Kinder sind mit dabei. „Wir haben uns Sorgen gemacht, dass ihnen etwas zustößt.“ Die Evakuierung gelingt zunächst nicht.

Neues Leben mit neuen Nachbarn

Ein Jahr nach dem Fall von Kabul ist alles anders. „Wir sind sehr froh, dass wir in Deutschland sind“, erzählt Mohammadi an einem trockenen Sommertag in einer sächsischen Kleinstadt. Altbauen im Barockstil prägen das Stadtbild, weite hügelige Felder die Natur in der Umgebung. Hier freut…