Geht man zwischen den scheinbar endlosen Reihen von Betonstelen des Berliner Holocaust-Denkmals umher, gibt es unendlich viele Optionen. Doch jede getroffene Entscheidung – egal ob man geradeaus läuft, links oder rechts abbiegt – scheint ins Nirgendwo zu führen. Es kann sein, dass man plötzlich den Kopf einer anderen Person aus dem Beton auftauchen – und genauso schnell wieder ins Grau-in-Grau verschwinden sieht. Bei manchen erzeugt das Denkmal ein Gefühl der Desorientierung, andere fühlen nichts.

Vielfach wurde das Denkmal für die ermordeten Juden Europas nahe des Potsdamer Platzes im Zentrum Berlins kritisiert: Es enthalte keine Information über ein desaströses Kapitel der Geschichte, so ein Vorwurf. Peter Eisenman, der wortgewandte Architekt des Denkmals, erwiderte: „Wir können das, was geschehen ist, nicht begreifen. Es macht uns hilflos. Und von dieser Hilflosigkeit lässt sich im Mahnmal etwas erfahren.“ Es gehe beim Gang durch die Stelen um die Erfahrung, nicht darum, einen verborgenen Sinn zu entschlüsseln. „Man bekommt merkwürdige körperliche Empfindungen wie Wellenbewegungen, Kippen, Neigen und man spürt Verwirrung, Isolation, Orientierungslosigkeit; man weiß nie, wo man sich befindet.“

Von Weitem gut sichtbar: die Wellenform des Holocaust Denkmals in Berlin

„Das Gewöhnliche, das Banale“

Das 2005 eröffnete Mahnmal erstreckt sich über 19.000 Quadratmeter auf dem ehemaligen Gartengelände der Reichskanzlei, wo von 1878 bis 1945 die Behörde des Kanzlers des Deutschen Reichs untergebracht war.

Unter Hunderten von Mitbewerbern hatte sich Eisenmann in den späten 1990er-Jahren durchgesetzt und den Zuschlag für das Projekt bekommen. Die Wellen, die die Anordnung der 2711 Betonstelen bilden, hat er zufällig vom Computer generieren lassen. Später sagte Eisenman jedoch selbstkritisch über das Ergebnis: „Ich glaube, es ist ein bisschen zu ästhetisch… ich wollte nichts, das nach Design aussieht. Ich wollte das Gewöhnliche, das…