DW: Herr Farenholtz, hat die documenta fifteen ein Antisemitismus-Problem oder ein Vermittlungsproblem? Oder beides?

Alexander Farenholtz: Ich würde nie öffentlich sagen, dieses oder jenes ist antisemitisch und anderes nicht, dazu fehlt mir die fachliche Kompetenz. Deswegen fand ich es gut, dass die Gesellschafter (Land Hessen und Stadt Kassel/Anm. d. Red.) gesagt haben, das Thema ziehen wir an uns – und zwar mit Hilfe eines Expertengremiums. Die documenta ist nicht neutral, wenn es um Konflikte geht. Aber es ist ihr vollkommen fremd, menschenverachtenden Positionen Platz einzuräumen. Das ist weder die Haltung dieser documenta noch ihrer Kuratoren.

Wie genau sieht Ihre Zusammenarbeit mit dem Kuratorenkollektiv Ruangrupa aus?

Es ist ein herzliches Verhältnis. Man hat mich mit offenen Armen empfangen, und das hat mir den Einstieg natürlich erleichtert.

Die Leute von Ruangrupa sind Tag und Nacht auf dem Ausstellungsgelände unterwegs, sie sind in der Stadt gut vernetzt. Zugleich haben sie keine große Neigung, sich auf Pressekonferenzen oder in Presseerklärungen zu präsentieren. Daher meine ich: Die Sprache der Kuratoren ist ihre Ausstellung und nicht das, was drumherum passiert. Das gilt für diese documenta besonders.

Mirwan Andan (li.) und Reza Afisina vom documenta-Kuratorenkollektiv Ruangrupa

Wie kriegen Sie die Probleme der documenta in den Griff?

Was ausgestellt wird, auch was in der Ausstellung in den letzten Wochen und Monaten öffentlich diskutiert wurde, müssen die Kuratorinnen und Kuratoren selbst in die Hand nehmen. Und das tun sie auch. Genau das geschieht.

Was genau geschieht?

Es gäbe beliebig viele Themen, die man auf dieser documenta kontrovers diskutieren könnte. Dann stehen wir vor der Frage, ob wir den Zugang zu diesen Ausstellungsbeiträgen besser erklären müssen, kontextualisieren – oder eben nicht. Vor dieser Entscheidung stehen die Kuratorinnen und Kuratoren, und das entscheiden sie. Ob und welcher externen Expertise sie sich dabei…