In einer ordentlichen Plattensammlung klassischer Rockmusik darf dieses Album nicht fehlen: „Aqualung“ von Jethro Tull. Auf dem Cover ist ein Clochard im Schlabbermantel und zotteligen Haaren zu sehen. Und auf der Scheibe sind zwei Songs, die zu den Rock-Klassikern der 1970er-Jahre zählen: Der Titelsong und „Locomotive Breath“ – mit Gitarrenriffs, die ebenso berühmt sind wie die von Deep Purples „Smoke on the Water“ oder „Satisfaction“ von den Rolling Stones. Das Album erschien im März 1971, vor mehr als einem halben Jahrhundert, und katapultierte die Progressive-Rockband Jethro Tull in den Rock-Olymp.

Haarige Band: Jethro Tull 1970

Kopf der Band war und ist bis heute Ian Anderson, der am 10. August 2022 seinen 75. Geburtstag feiert. Jethro Tull hatte zahlreiche wechselnde Besetzungen, doch Anderson, der von Anfang an (1967) dabei war, trägt die Musik bis heute weiter auf die Bühnen.

Von Rock bis Barock

Und die hat nicht nur verschiedene Entwicklungen durchlebt, wie Blues-Rock, Progressive Rock, Folk-Rock, Electronic Rock und Hard Rock. Jethro Tull spielte eine einzigartige Melange aus Rock, Folk und barocker, fast höfischer Musik. Die Einflüsse aus Klassik, Jazz und Weltmusik durchziehen die Musik von Jethro Tull wie ein roter Faden. So war schon auf dem zweiten Album, das die Band 1969 veröffentlichte, der Track „Bourée“ zu hören. Die Adaption einer Sonate von Johann Sebastian Bach wird nach wenigen Takten zu einem Jazzrockstück, angetrieben durch das virtuose Flötenspiel Ian Andersons, mal glasklar, mal rockig, impulsiv.

Ian Anderson auf einem Bein an der Querflöte – so sind Jethro Tull berühmt geworden

Inspiration für weitere Bands

Damit hat Anderson gezeigt, dass die Querflöte in der Rockmusik richtig gut funktioniert. Andere Bands ließen sich dadurch inspirieren: Eher lyrisch klang sie bei Genesis („Fifth Of Fifth“) und Moody Blues („Nights In White Satin“) sowie bei den Eurythmics in „Never Gonna Cry Again“ – Annie Lennox hat Querflöte studiert….