Meinung

Streit ums 9-Euro-Ticket
„Gratismentalität“? Was das Problem mit Christian Lindners Stammtisch-Spruch ist

Finanzminister Christian Lindner (FDP) steht mehr auf Autofahren

© Kay Nietfeld / DPA

09.08.2022, 20:38
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Finanzminister Christian Lindner will jede Nachfolgelösung für das 9-Euro-Ticket killen, weil ihn „Gratismentalität“ und Umverteilung stören. Da hat er leider seinen Job nicht verstanden.

Für Christian Lindner gibt es kaum etwas Unerträglicheres, als wenn Menschen, die nicht die FDP wählen, etwas vom Staat umsonst bekommen. Daher hat der Finanzminister in der Diskussion über eine Nachfolge des 9-Euro-Tickets mal wieder einen rausgehauen: Eine „Gratismentalität à la bedingungsloses Grundeinkommen“ überzeuge ihn auch im Öffentlichen Nahverkehr nicht, sagte er in einem Interview mit der Augsburger Allgemeinen. Deswegen stelle er für eine Fortsetzung des beliebten Tickets „keinerlei Mittel zur Verfügung“.

Am Montag legte er via Twitter nochmal nach. „Eine #Gratismentalität ist nicht nachhaltig finanzierbar, nicht effizient und nicht fair. Und offenbar auch unökologisch, wie erste Stimmen zur Bewertung des 9-Euro-Tickets nun ausführen.“ Dabei verwies er auf Erkenntnisse, dass das 9-Euro-Ticket unterm Strich für mehr Verkehr gesorgt habe und somit keine Klimaschutzwirkung entfaltete. 

Lindners Spruch von der Gratismentalität hat ein wütendes Echo in den Sozialen Medien ausgelöst. Tenor: Der Typ, der selbst einen fetten Dienstwagen fährt, die Bahncard 100 geschenkt bekommt und zur Not auch mal auf Steuerzahlerkosten fliegt, wirft anderen Gratismentalität vor. Der Mann, der auf Sylt eine Protzhochzeit feiert, während andere vor der nächsten Nebenkostenabrechnung zittern, gönnt dem einfachen Bürger das Bahnfahren nicht. „Menschen wissen nicht, wie sie über den Monat kommen sollen, Menschen sind…