In deutschen Literaturkreisen ist Emine Sevgi Özdamar keine Unbekannte. Schon 1991 gelang ihr mit der Zuerkennung des Ingeborg-Bachmann-Preises der literarische Durchbruch. Seit über drei Jahrzehnten bereichert die am 10. August 1946 in der Türkei geborene Schriftstellerin die deutschsprachige Szene mit ihren Romanen, Erzählungen und Theaterstücken – mit ungewohnten Stilmitteln wie der Übertragung türkischer Redewendungen ins Deutsche und vor allem mit dem Blick aus zwei Welten auf die deutsch-türkische Geschichte. 

Sie erzählt vom Ersten Weltkrieg, der Aufbruchstimmung der 1960er- und 70er-Jahre und schlägt die Brücke zur Gegenwart, wobei sie immer auch persönliche Erfahrungen einfließen lässt. „Emine Sevgi Özdamars Werk eröffnet einen zugleich intellektuellen wie poetischen Dialog zwischen verschiedenen Sprachen, Kulturen und Weltanschauungen, an dem wir lesend teilhaben dürfen“, würdigte die Jury der Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung das Werk der Autorin. 

Vom Theater zum Schreiben                 

Özdamar, die in Istanbul und Bursa in der Türkei aufwuchs, interessierte sich zunächst vor allem für die Welt des Theaters. Von 1967 bis 1970 nahm sie Schauspielunterricht und spielte in Stücken von Bertolt Brecht und Peter Weiss. Nach dem Militärputsch in der Türkei 1971 und der um sich greifenden Zensur ging sie nach Berlin und wurde an der Ost-Berliner Volksbühne Assistentin des Brecht-Schülers Benno Besson und des Regisseurs Matthias Langhoff. 

Noch ein Preis: 2010 bedankte sich Özdamar für die Carl-Zuckmayer-Medaille

1982 schrieb sie ihr erstes eigenes Theaterstück, „Karagöz in Alemania“. Es war der Anfang ihrer schriftstellerischen Karriere. Ihr autobiografisch angelegter Romanerstling aus dem Jahr 1992 „Das Leben ist eine Karawanserei – hat zwei Türen – aus einer kam ich rein aus der anderen ging ich raus“ galt als literarisches Ereignis und war der Anfang einer Reihe über ihre Leben in Istanbul und im…