Konflikt um Inselstaat
Die Ruhe im Auge des Sturms: Wie die Taiwaner mit dem Säbelrasseln aus Peking umgehen

Ein taiwanesischer Fischer bei der Arbeit. Auf dem Inselstaat nimmt der Alltag trotz der Drohgebärden aus China größtenteils seinen gewohnten Lauf

© Annabelle Chih / Getty Images

06.08.2022, 18:14
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Das Muskelprotzen Pekings im Südchinesischen Meer schürt Ängste rund um den Globus. In Taiwan, dem „gefährlichsten Ort der Welt“, sind die Menschen die Bedrohung aber gewohnt. Die Menschen lassen sich nicht einfach einschüchtern.

Ballistische Raketen landen in Gewässern um Taiwan. Militärflugzeuge und Drohnen testen die Flugabwehr. Chinesische Kriegsschiffe schießen nahe der demokratischen Inselrepublik mit scharfer Munition. Schon lange gilt Taiwan als „der gefährlichste Ort der Welt“, wie das Magazin „The Economist“ einmal titelte. Die Gefahr eines möglichen Kriegs ist den 23 Millionen Taiwanern schon lange nicht mehr so nahe gerückt wie jetzt. Doch im Auge des Sturms herrscht Ruhe – ja, auch Unbehagen, Sorge, aber vor allem Trotz und auch Stolz auf die „Insel der Widerstandskraft“, wie sie die US-Spitzenpolitikerin Nancy Pelosi bei ihrer Visite in Taipeh rühmte.

„Sie versuchen nur, uns zu erschrecken“

Die groß angelegten Militärmanöver als Reaktion auf ihren Besuch haben die Taiwaner nur noch mehr gegen China aufgebracht. „Echt schlimm“, sagt die Kellnerin eines Cafés in Taipeh. Doch die Taiwaner sind das Säbelrasseln der Kommunisten gewohnt, gehen ihrem normalen Leben nach. Sie sind es leid, von Peking nur als Teil der Volksrepublik behandelt zu werden. Trotz der Spannungen, den größten seit Mitte der 90er-Jahre, äußern viele Unterstützung für den Besuch Pelosis – den ranghöchsten aus den USA in Taipeh seit einem Vierteljahrhundert.

„Anfangs war ich besorgt, aber jetzt bin ich…