Seit dem Abzug der NATO aus Afghanistan vor knapp einem Jahr hat Deutschland insgesamt 23.614 ehemaligen afghanischen Ortskräften und Familienangehörigen die Aufnahme zugesichert. Tatsächlich eingereist sind bisher 17.556, wie die „Welt am Sonntag“ unter Berufung auf das zuständige Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) berichtet.

Von den Ortskräften selbst – etwa zivilen Helfern für die Bundeswehr oder Dolmetschern – haben demnach 5141 eine Aufnahmezusage bekommen, 3756 davon sind bereits in Deutschland. Die weitaus größere Zahl entfällt auf die Familienangehörigen.

Im internationalen Vergleich stehe die Bundesrepublik damit besser da als andere europäische Staaten, schreibt die Zeitung. Nach Großbritannien seien 10.100 für die britischen Streitkräfte tätige Afghanen einschließlich ihrer Familien eingereist, zitiert sie die britische Botschaft. Das italienische Außenministerium habe bisher 1218 Visa „mit begrenzter territorialer Gültigkeit“ für afghanische Staatsangehörige erstellt, 278 seien im Rahmen humanitärer Korridore ins Land gekommen.

Lehren für die Zukunft

Anfang Juli hatte der Afghanistan-Untersuchungsausschuss des Bundestages die Arbeit aufgenommen. Er soll die Ereignisse vom Sommer 2021 beleuchten. Dabei geht es auch um das Schicksal jener Ortskräfte, die immer noch auf eine Möglichkeit warten, nach Deutschland auszureisen. Der Bundestag setzte außerdem eine Enquete-Kommission ein, die mit wissenschaftlicher Begleitung die Sinnhaftigkeit des fast 20 Jahre andauernden Einsatzes am Hindukusch hinterfragen und daraus Lehren für die Zukunft ableiten soll.

Die Ortskräfte und Angehörige kamen zunächst in Erstaufnahmeeinrichtungen wie hier in Brandenburg unter (Archivbild)

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