Die ukrainische Dirigentin Oksana Lyniv machte 2021 Schlagzeilen: Sie war die erste Frau, die ein Orchester bei den Bayreuther Festspielen dirigierte – in 145 Jahren Festivalgeschichte. In diesem Jahr ist sie wieder dabei und übernimmt – wie 2021 – die musikalische Leitung des „Fliegenden Holländers“. Die Aufführung feiert am 6. August Premiere. Oksana Lyniv arbeitet zurzeit als Künstlerische Direktorin des von ihr mitbegründeten internationalen Festivals LvivMozArt im ukrainischen Lviv/Lemberg und ist die Leiterin des Ukrainischen Jugendsymphonieorchesters. Die DW hat Oksana Lyniv am Rande der Bayreuther Festspiele getroffen und mit ihr über ihre Rolle als Dirigentin, über Bayreuth und die Sexismusdebatte, sowie über ihre Gefühle angesichts des russischen Angriffskrieges auf ihre Heimat gesprochen.

Deutsche Welle: Frau Lyniv, wie fühlt es sich an, ein Jahr nach Ihrem Debüt nach Bayreuth zurückzukehren?

Oksana Lyniv: Sehr schön. Ich bin sehr froh, dass mein so wichtiges Bayreuther Debüt schon letztes Jahr gewesen war. Dieses Jahr wäre das unter den gegebenen Umständen viel schwieriger geworden.

Und fühlt sich das zweite Mal ein bisschen komfortabler und einfacher an – mit weniger Druck?

Auf jeden Fall. Jetzt kann ich mich nur auf die Musik konzentrieren und nicht mehr auf diese wahnsinnige Medienpräsenz und Publicitywelle. Und ehrlich gesagt, dieser Genderfrage wird viel zu viel Bedeutung beigemessen. Mann, Frau, Mann, Frau – das hat überhaupt nichts mit unserer Arbeit zu tun. Ich habe mich sehr gefreut, als ich in die erste Probe reinkam, und viele Musiker haben mich angesprochen und gesagt: ‚Wir freuen uns so sehr, dass wir auch dieses Jahr miteinander musizieren dürfen.‘ Den Musikern ist es gleich, ob ich eine Frau bin oder nicht; das Wichtige ist uns allen, dass wir wirklich tolle Vorstellungen machen und dass wir alle Spaß haben, zusammenzuarbeiten.

Dirigieren mit Botschaft: Oksana Lyniv im März in Bologna

Hier in Bayreuth tobt ja eine…