Konflikte
Chinas Militär provoziert Taiwan – USA sehen „Überreaktion“

Flugzeuge der chinesischen Luftwaffe und des Marinefliegerkorps der Volksbefreiungsarmee (PLA). Foto

© Fu Gan/Xinhua/dpa

Im Streit um Taiwan sind die angespannten Beziehungen zwischen China und den USA auf einem neuen Tiefpunkt. Pekings Manöver um die demokratische Insel erhöhen die Gefahr ungewollter Zwischenfälle.

China hat seine großangelegten Manöver um das demokratische Taiwan am Samstag fortgesetzt. Der taiwanische Außenminister Jason Wu verurteilte „diese gefährliche militärische Eskalation der militärischen Bedrohung, die Frieden und Stabilität in der Region zerstört“. Die USA kritisierten die chinesische Reaktion auf den Besuch der US-Spitzenpolitikerin Nancy Pelosi als „unverantwortlich“. Dass China sogar den Dialog mit den USA über Klimaschutz ausgesetzt hatte, stieß international auf Kopfschütteln.

Chinesische Militärflugzeuge, Drohnen und Kriegsschiffe stellten Taiwans Streitkräfte weiter auf die Probe. Allein am Vortag hatte die chinesische Volksbefreiungsarmee eine „Rekordzahl“ von 68 Militärmaschinen und 13 Marineschiffe in Gewässer nahe der demokratischen Inselrepublik geschickt, wie das Außenministerium in Taipeh berichtete. Viele von ihnen hätten auch die inoffizielle, aber bislang von beiden Seiten meist respektierte Mittellinie der Meerenge der Taiwanstraße überquert, die das Festland und Taiwan trennt.

Warnung an Tokio

Bei den Manövern hatte China auch elf ballistische Raketen in Richtung Taiwan gestartet, von denen nach Berichten eine sogar erstmals direkt über Taiwan und unweit der Hauptstadt Taipeh geflogen ist. Fünf landeten östlich von Taiwan in der nahe gelegenen ausschließlichen Wirtschaftszone (AWZ) Japans, was auch als Warnung an Tokio gewertet wurde, sich aus dem Konflikt herauszuhalten.