06.08.2022, 17:49
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Die russische Invasion in der Ukraine könnte das Ende vom russischen Konzern Gazprom eingeleitet haben. Mittel- und langfristig sehen Experten zumindest keine Zukunft mehr für das Unternehmen. Jetzt liegt es an Russland, einen eleganten Abgang zu wählen.

Noch erweckt Moskau den Eindruck, am längeren Hebel zu sitzen. Drohungen über einen endgültigen Gaslieferstopp lassen die Europäer schon bei aktuellen Hitzerekorden vor dem nächsten Winter bibbern. Und die schrittweisen Drosselungen reißen bereits Löcher in die Staatskassen und Portemonnaies der Verbraucher. Dass die EU den russischen Energieriesen Gazprom bisher nicht mit Sanktionen belegt hat, liegt vor allem an seiner Rolle für die europäische Energieversorgung. Trotzdem reduziert Russland die Liefermengen durch die Pipeline Nord Stream 1.

Dass die Drosselungen allerdings auch dem Unternehmen Gazprom schaden, wischt Moskau mit der Aussage vom Tisch, China und überhaupt ganz Asien seien nun die neuen Abnehmer. Wirtschaftsexperten wie Theocharis Grigoriadis vom Institut für Osteuropa an der Freien Universität Berlin und Jens Südekum vom Düsseldorf Institute for Competition Economics der dortigen Universität halten dieses russische Narrativ für unglaubwürdig. „Das Gas, das Russland nun nicht mehr nach Europa liefert, kann Russland nicht einfach so nach China umleiten“, sagt Südekum dem stern. Dafür fehle die Infrastruktur, denn den Großteil seiner Pipelines hat Russland Richtung Europa verlegt.

Die Statistiken geben im Recht. Dieses Jahr pumpt Gazprom nach eigenen Angaben 40 Milliarden Kubikmeter Gas weniger ins Ausland als noch vor dem Krieg. Das ist ein Minus von mehr als einem Drittel. Schon jetzt bleibt Russland zunehmend auf seinen Ressourcen sitzen. Ressourcen, die laut Südekum langfristig wertlos sein werden. Zumindest wenn die EU ihrer Ankündigung treu bleibt, ganz…