US-Außenminister Antony Blinken wirft China vor, den Besuch der US-Spitzenpolitikerin Nancy Pelosi in Taiwan zu nutzen, um die Spannungen um die Insel zu verschärfen. Peking habe schon in den vergangenen Jahren „zunehmend destabilisierende und potenziell gefährliche Aktionen in Bezug auf Taiwan durchgeführt“, sagte Blinken auf den Philippinen. Die Änderung des Status quo in der Meerenge der Taiwanstraße gehe von Peking aus, nicht von den Vereinigten Staaten, erklärte er mit Blick auf die chinesischen Raketentests und Militärübungen in unmittelbarer Nähe zu Taiwan.

Blinken sprach von einem „totalen Missverhältnis“ zwischen Pelosis friedlichem Besuch auf der einen und den Manövern auf der anderen Seite. Unter anderem habe Peking elf ballistische Raketen abgeschossen, darunter fünf, die nach Angaben Japans ganz in der Nähe der japanischen Küste im Meer niedergingen.

„Angriff auf Taiwan simuliert“

China hatte die Militärübungen am Donnerstag als Reaktion auf Pelosis Besuch begonnen. Sie sollen bis zu diesem Sonntag andauern. Die Regierung in Taipeh beschuldigt die Volksrepublik, dabei einen Angriff auf die taiwanische Hauptinsel „simuliert“ zu haben. Mehrere chinesische Flugzeuge und Schiffe hätten die als Mittellinie bezeichnete inoffizielle Seegrenze zwischen China und Taiwan überschritten, erklärte das Verteidigungsministerium in Taipeh.

Begegnung inmitten regionaler Spannungen: US-Außenminister Blinken (links) mit dem philippinischen Präsidenten Marcos

Die Führung in Peking betrachtet Taiwan als Teil des eigenen Staatsgebiets und lehnt offizielle Kontakte anderer Länder zu Taipeh vehement ab. Als Ausdruck der Missbilligung hatte China den Kontakt zu den USA auf mehreren Ebenen heruntergefahren und auch die bilateralen Gespräche im Kampf gegen den Klimawandel ausgesetzt. Blinken nannte dies „unverantwortlich“. Peking bestrafe damit nicht die Vereinigten Staaten, sondern „die Welt, besonders die Entwicklungsländer“. Die USA setzten dagegen weiterhin auf…