Laut des World Happiness Reports lebt in Finnland die glücklichste Bevölkerung der Welt. Die Finnen haben es ja auch gut, sie können einfach „hän“ sagen. Dieses geschlechtsneutrale Pronomen drückt „er“, „sie“ und „es“ gleichzeitig aus. In diesem Punkt müssen sie sich also keine Gedanken um die Gleichstellung in der Sprache machen.

In Deutschland gibt es Vorschläge, ähnliche Begriffe einzuführen, damit die Sprache geschlechtsneutral und inklusiv wird. Daran entspinnt sich die Frage, ob Gendern die Sprache – und damit mittelbar auch die Gesellschaft – gerechter macht oder die Menschen eher sogar spaltet?

„Wenn ich weiß, dass bestimmte Begriffe einzelne Personen oder Gruppen verletzen, dann sollte man versuchen, die Dinge anders auszudrücken, aus Respekt“, sagte die heutige Bundesaußenministerin Annalena Baerbock vor einem Jahr im „Tagesspiegel“. Andere sehen im Gendern ein Vergehen an der deutschen Sprache. Die Debatte wird teils heftig geführt, insbesondere in den sozialen Netzwerken. Die frühere ZDF-Nachrichtenmoderatorin Petra Gerster wurde angefeindet, als sie in ihren Moderationen zu gendern begann.

Dass Gendern überhaupt auffällt, mag auch daran liegen, dass es keine verbindlichen Regeln gibt und jede und jeder es so handhaben kann, wie sie oder er es möchte. 

„Sprachliche Varianten sind in Deutschland per se nicht ungewöhnlich“, sagt Anatol Stefanowitsch, Professor für Sprachwissenschaften an der FU Berlin, im DW-Gespräch. Es gebe historisch viele regionale Dialekte, die heute auch in anderen Kontexten vorkämen. „Ausprobieren ist gar nicht schlecht, weil es ein Anstoß für Diskussionen sein kann.“

Sternchen und Unterstriche gegen das Patriarchat

Ohnehin sei die Entwicklung des Sprachgebrauchs dynamisch und bilde sich aus der Gesellschaft heraus, sagt Stefanowitsch. Was heute in der Alltagssprache Anwendung finde, sei in manchen Communitys bereits vor 20 oder 30 Jahren ausprobiert und etabliert worden. „Das übergreifende Thema ist die Anerkennung,…