„Die Gedenkstätte in Auschwitz-Birkenau zu besuchen, ist wichtig für alle, nicht nur für die Nachfahren der Opfer“, davon ist die schwedische Politikerin und Roma-Menschenrechtsaktivistin Soraya Post überzeugt. Die ehemalige Europaabgeordnete erinnert sich im Gespräch mit der DW noch genau an ihren ersten Besuch dort: „Ich fühlte mich so schmutzig. Mein Herz hat in diesem Moment meinen Körper verlassen. Ich machte ein paar Schritte, aber ich konnte kaum gehen. Da war einfach nicht genug Würde in mir, um mich auf diesem Boden zu bewegen. Ich hörte Stimmen in meiner Fantasie und ich fühlte Schmerz.“

Anfang August 1944 waren noch 4300 Sinti und Roma im Lager B II übriggeblieben. Die meisten davon waren Frauen, Kinder, Alte und Kranke. Sie alle wurden von den Nazis in der Nacht des 2. August in den Gaskammern ermordet. Dies war der letzte Akt einer geplanten Vernichtungsaktion aller Menschen, die im so genannten „Zigeunerlager“ inhaftiert waren. Zweieinhalb Monate vorher, am 16. Mai 1944, hatten sich tausende Sinti und Roma im Lager verbarrikadiert und konnten so zumindest erreichen, dass an jenem Tag der Plan der SS nicht aufging. Später wurden alle noch zum Widerstand fähigen Menschen in andere Lager gebracht, um schließlich die in Auschwitz Verbliebenen auszulöschen.

Insgesamt fielen 500.000 Roma und Sinti dem nationalsozialistischen Rassenwahn zum Opfer. Dieser Genozid wird von Sinti und Roma als „Porajmos“ bezeichnet, was auf Romanes so viel bedeutet wie „Verschlingung“ oder „Zerstörung“. Im Jahr 2015 erklärte das Europäische Parlament den 2. August zum Europäischen Gedenktag für die ermordeten Roma und Sinti.

„Wenn wir hassen, verlieren wir!“

Um an diese Verbrechen zu erinnern und Bewusstsein in der Gegenwart zu schaffen, sei es besonders für junge Menschen wichtig, diese Gedenkstätte zu besuchen – auch wenn diese Erfahrung durchaus schmerzhaft sein kann, sagt Soraya Post. Es sei eine Erfahrung, die jeder Mensch machen sollte: „Der Besuch dieser…