Die Regierung des Kosovo hat nach Spannungen im Norden des Landes zugesagt, neue Einreiseregelungen vorerst nicht anzuwenden. In Zusammenarbeit mit internationalen Bündnispartnern verspreche seine Regierung, die Umsetzung um 30 Tage auszusetzen, twitterte Ministerpräsident Albin Kurti am frühen Montagmorgen. Voraussetzung sei, dass alle Barrikaden auf Zufahrtswegen zur Grenze nach Serbien entfernt würden.

Die Regierung verurteile die Blockade von Straßen im Norden des Kosovo sowie das Abfeuern von Schüssen durch bewaffnete Personen, hieß es in einer Mitteilung aus Pristina. Zugleich wurde die serbische Führung für „aggressive Handlungen“ am Sonntag verantwortlich gemacht.

Eigentlich wollten die kosovarischen Behörden ab diesem Montag bei der Einreise keine serbischen Personaldokumente mehr anerkennen. Serben mit derartigen Papieren hätten sich für einen Aufenthalt im Kosovo an der Grenze ein provisorisches Dokument ausstellen lassen müssen. Es handele sich um eine Maßnahme auf Gegenseitigkeit, da Serbien von Kosovaren bei der Einreise das Gleiche verlange, erläuterte Kurti am Sonntag. Zudem sollten neue Regeln für Kfz-Kennzeichen gelten.

„Am Siedepunkt“

Die Lage im Kosovo sei für die dort lebenden Serben und für Serbien „noch nie so komplex“ gewesen, erklärte der serbische Präsident Aleksandar Vucic. Die Atmosphäre sei „am Siedepunkt“.

Hintergrund des Streits: Das heute weitgehend von Albanern bewohnte Kosovo hatte sich 2008 für unabhängig von Serbien erklärt. Die Regierung in Belgrad hält das Kosovo aber weiter für eine abtrünnige Provinz.

wa/fw (dpa, afp)