01.08.2022, 07:42
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Der Gasimport aus Russland stockt, weil angeblich eine Pipelineturbine fehlt. Die wartet zwar in Deutschland auf ihren Flug nach Sankt Petersburg, aber Gazprom als Besitzer zögert, sie auch anzunehmen. Die bizarre Farce geht in die nächste Runde.

Irgendwo in diesem Land steht ein Stahlmonstrum herum, ungefähr zehn Meter lang, fast 20 Tonnen schwer, das der Grund dafür ist, warum an anderer Stelle in diesem Land Gas nur püffchenweise hineinströmt. Eigentlich gehört das Gerät mit der Bezeichnung SGT-A65 zur Kompressorstation Portowaja in der Nähe der russischen Hafenstadt Wyborg, 140 Kilometer nördlich von Sankt Petersburg. Dort beginnt die Pipeline Nord Stream 1, die seit zehn Jahren Gas nach Westeuropa befördert und die Turbine, um die es hier geht, verdichtet den kostbaren Rohstoff, damit der nach Lubmin, Mecklenburg-Vorpommern kommt. So jedenfalls war es zuletzt, doch im Gaspoker zwischen Russland und Deutschland wird die Turbine von Siemens Energy zum Ass, das keiner haben will.

Gazprom nicht sicher, ob sie die Turbine haben wollen

Neuste Volte in der Farce, die für die Öffentlichkeit Mitte Juni begann: Gazprom, der russische Energiekonzern, beklagt, dass die Turbine nicht nach Portowaja geliefert wurde, sondern zunächst nach Deutschland. Aber eigentlich, so der Vize-Chef des Staatskonzerns am Freitag, könne man sie ohnehin nur annehmen, wenn es Garantien von der EU und von Großbritannien über die Nichtanwendung der westlichen Sanktionen gebe. Was genau er damit meinte, war unklar. Außerdem sei Hersteller Siemens mehrfach gebeten worden, vor Ort Reparaturen an weiteren Turbinen vorzunehmen, heißt es weiter. Kurzum: Schuld daran, dass aktuell nur 20 Prozent der möglichen Gasmenge nach Deutschland kommt, seien aus Sicht Russlands Sanktionen und Siemens.

Die Vorwürfe an das Unternehmen sind nicht neu, wurden…