Sinkende Pegelstände in den großen Seen des Nordens, kaum Wasser im Po. Wegen der Dürre wurde jetzt in fünf Regionen Italiens der Ausnahmezustand ausgerufen. Das teilte die Regierung von Ministerpräsident Mario Draghi nach einer Kabinettssitzung am Montag in Rom mit.

Der Ausnahmezustand in den norditalienischen Regionen Emilia-Romagna, Friaul-Julisch Venetien, Lombardei, Piemont und Venetien gilt bis zum Ende des Jahres. Die Regierung stellt den betroffenen Regionen zudem 36,5 Millionen Euro zur Bekämpfung der Wasserknappheit bereit.

Trockenes Feld bei Mailand

Der Wasserstand im Fluss Po – dem längsten Strom Italiens – ist an manchen Stellen so niedrig wie seit Jahrzehnten nicht mehr. An seiner Mündung ins Meer führt der Fluss so wenig Wasser, dass Salzwasser aus der Adria kilometerweit stromaufwärts floss, was die ohnehin von der Trockenheit geplagten Bauern dort noch zusätzlich trifft.

Eingeschränkte Landwirtschaft und Stromerzeugung

Die landwirtschaftlich wichtige Po-Ebene in Norditalien erlebt die schlimmste Dürre seit 70 Jahren. Laut dem größten Bauernverband des Landes, Coldiretti, bedroht die Trockenheit mehr als 30 Prozent der landesweiten Agrarproduktion und die Hälfte der Viehzucht in der Po-Ebene. Dort wird vor allem der Parmaschinken produziert.

Der Wasserspiegel des Lago Maggiore und des Gardasees liegen deutlich tiefer als sonst für diese Jahreszeit üblich. Norditalienische Städte wie Pisa und Verona schränkten unlängst die Wassernutzung ein. Venedig und Mailand drehten einen Teil der Brunnen ab. Auch in der Hauptstadt Rom ist der Wassermangel anschaulich: Der Tiber führt Niedrigwasser.

Tiber mit Niedrigwasser in Rom

Weitere Folge der Dürre: Die Stromerzeugung aus Wasserkraft ging deutlich zurück. Wasserkraftwerke gibt es vor allem in den Bergen im Norden des Landes. Sie liefern normalerweise fast ein Fünftel des in Italien benötigten Stroms.

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