Frühwarnsystem
Amtsärzte fordern mehr Abwasser-Analysen auf Corona

Amtsärzte fordern, dass das Abwasser in allen Kommunen auf Corona-Spuren untersucht wird, um das Infektionsgeschehen besser einschätzen zu können. Foto: Ralf Hirschberger/dpa-Zentralbild/dpa

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Das Coronavirus lässt sich unter anderem im Abwasser nachweisen. In 20 deutschen Städten wurde deshalb ein Frühwarnsystem entwickelt. Reicht das?

Angesichts steigender Infektionszahlen in Deutschland wird eine flächendeckende Überwachung des Coronageschehens anhand von Abwasserproben diskutiert.

Instrument zur Pandemiekontrolle

«Die Abwasseranalyse ist ein hervorragendes Instrument für die Pandemiekontrolle», sagte der Vorsitzende des Bundesverbands der Ärztinnen und Ärzte des Öffentlichen Gesundheitsdienstes, Johannes Nießen, der Funke-Mediengruppe. «Optimal wäre, wenn alle Kommunen mitmachen würden.» Je mehr Städte daran teilnehmen, desto präziser werde das Bild vom Infektionsgeschehen.

Zwanzig Städte in Deutschland verfolgen bereits in einem Pilotprojekt das Ziel, ein dauerhaftes Überwachungssystem einzurichten, um Entwicklungen in der Corona-Pandemie frühzeitig erkennen zu können, darunter unter anderem Potsdam, Stuttgart, Köln, Dresden und Jena. Es geht darum, anhand der Virenkonzentration im Abwasser zu ermitteln, wie verbreitet Corona in einer Region ist. Die Methode koste wenig, der Aufwand sei gering, und man bekomme ein Echtzeit-Lagebild der Pandemie, sagte Nießen.

Nur die Hälfte der Infektionen erfasst

In Köln sei durch die Analyse festgestellt worden, dass bei den offiziellen Corona-Meldezahlen nur die Hälfte der Infektionen erfasst würden. Nießen leitet das Kölner Gesundheitsamt und ist Mitglied im Corona-Expertenrat der Bundesregierung.