„Worte können sein wie winzige Arsendosen: Sie werden unbemerkt verschluckt, sie scheinen keine Wirkung zu tun, und nach einiger Zeit ist die Giftwirkung doch da.“ Dieses Zitat stammt aus dem Werk „LTI – Notizbuch eines Philologen“ des deutschen Literaturwissenschaftlers Victor Klemperer von 1947 und steht dem neuen Buch von Susan Arndt voran. „Rassistisches Erbe: Wie wir mit der kolonialen Vergangenheit unserer Sprache umgehen“ heißt ihr im Mai im Duden-Verlag erschienenes Werk, das sich mit Rassismus in der deutschen Sprache befasst.

Klemperer war der Sohn eines Rabbis, er konvertierte jedoch 1912 zum Protestantismus. Trotzdem wurde ihm unter den Nazis sein akademischer Titel aberkannt, von 1940 bis 1945 lebte er gemeinsam mit seiner Frau in verschiedenen sogenannten Judenhäusern in Dresden und entkam der Deportation 1945 nur mit viel Glück.

Der Philologe führte während der Kriegsjahre Tagebuch. Diese Aufzeichnungen wurden die Grundlage seiner späteren Publikationen. In den Tagebüchern sind auch seine Beobachtungen, wie die NS-Propaganda auf die deutsche Sprache einwirkte, dokumentiert. Dies war die Basis seiner viel beachteten Analyse nach dem Zweiten Weltkrieg.

Victor Klemperer

Ein halbes Jahrhundert später versucht die Literaturwissenschaftlerin Susan Arndt aus Bayreuth eine ähnliche Analyse und untersucht die Wirkung von Rassismus auf die deutsche Sprache – aus post-kolonialer Perspektive.

Die kolonialen Wurzeln von Rassismus

Arndt hat ihr Buch nach Jahren des Studiums über Rassismus in Deutschland geschrieben: „Während ich den Rassismus analysiert habe, wurde mir zunehmend bewusst, dass Worte wie Wegweiser dieses Rassismus fungierten. Sehr viel rassistisches Wissen und Überzeugungen manifestieren sich in ganz konkreter Weise durch Wörter“, sagt sie gegenüber DW. „Wenn wir auf diese Wörter verzichten, geht natürlich der Rassismus nicht weg, aber wir können den Rassismus durch ihre Analyse besser verstehen.“

Die Literatur- und…