„Es ist ein historischer Moment für unsere beiden Länder, dass wir nun ein Abkommen über die Rückgabe der Benin-Bronzen unterzeichnen!“ Nicht nur die Worte von Abba Isa Tijani verraten seine Zuversicht, auch sein wacher Blick. Der Direktor der nigerianischen Museums- und Denkmalsbehörde (NCMM) hat eine entscheidende Rolle gespielt in der Ausarbeitung des Rückführungsabkommens, das am 1. Juli in Berlin von Außenministerin Annalena Baerbock, Kulturstaatsministerin Claudia Roth, dem nigerianischen Kulturminister Lai Mohammed sowie dem nigerianischen Staatsminister für Auswärtige Angelegenheiten, Zubairo Dada, unterzeichnet wird: Damit wird vertraglich geregelt, dass der Großteil der sich in deutschen Sammlungen befindlichen Benin-Bronzen ab sofort in den Besitz Nigerias übergeht.

Fünf deutsche Museen an Restitution beteiligt

Insgesamt sind das über 1130 Artefakte aus dem Lindenmuseum in Stuttgart, dem Berliner Humboldt-Forum, dem Kölner Rautenstrauch-Joest-Museum, dem Hamburger Museum für Kulturen und Künsten der Welt und den Staatlichen Ethnographischen Sammlungen Sachsen.

Admiral Sir Harry Rawson (Mitte) führte die Strafexpedition an

Die wertvollen Artefakte – Skulpturen und Reliefs aus Bronze und Messing sowie Arbeiten aus Elfenbein, Koralle und Holz – wurden 1897 bei einer brutalen Strafexpedition von den Briten aus dem einstigen Königreich Benin geraubt. Der Königspalast aus vorkolonialer Zeit wurde bis auf seine Grundfesten niedergebrannt, die Stadt Benin City im Norden des heutigen Nigerias fast vollständig zerstört. Über Auktionen in London gelangten die erbeuteten Kunstwerke Anfang des 20. Jahrhunderts unter anderem nach Deutschland, das sich die weltweit zweitgrößte Sammlung sicherte. 

Bereits vor 100 Jahren forderte das einstige Königreich Benin die Bronzen zurück – ohne Erfolg. Afrikanische Intellektuelle nahmen den Kampf in den 1970er-Jahren wieder auf, doch in Europa stießen ihre Forderungen auf taube Ohren. Erst Emmanuel…