Etwa 70 Zentimeter hoch, in Bronze gegossen, sitzt er auf einem Sockel. In sich gekehrt, gebeugt, das Haupt auf den rechten Handrücken gestützt. Sein Körper ist bis in jeden Muskel angespannt. So sinniert er über das, was er geschaffen hat. „Der Denker“ ist eine auf der ganzen Welt bekannte Skulptur – erschaffen hat ihn der französische Bildhauer Auguste Rodin zwischen 1880 und 1882. Das ikonische Werk soll den italienischen Dichter und Philosophen Dante Alighieri (1265 – 1321) darstellen, der in seiner „Göttlichen Komödie“ über dem Höllentor über die Menschheit und deren Handeln nachdenkt. Das sagt zumindest eine der Theorien, die sich um die Figur ranken.

Im oberen Teil des Höllentors sitzt er

Dafür spricht, dass Rodin sie als Teil des Höllentors geschaffen hat, das als Auftragsarbeit den Eingang des Pariser Musée d’Orsay ziert. Eine andere Theorie lautet, es sei Rodin höchstselbst, der über sein Werk reflektiert.

Viel zu große Füße

Mit dieser Figur hat Auguste Rodin (1840 – 1917) etwas völlig Neues gewagt. Bis zum Ende des 19. Jahrhunderts stellten Skulpturen und Statuen vor allem Vollkommenheit dar – Frauen mit den Schönheitsidealen entsprechenden Körpern, feinen Gesichtszügen und vollem Haar, muskulöse großgewachsene Männer mit edler Haltung; Gottheiten, berühmte Persönlichkeiten. Rodin setzt mit seinem Denker einen unbekannten, namenlosen Mann auf den Sockel, der viel zu große Füße und Hände sowie eine gekrümmte Nase hat, dessen Körper eigentümlich verbeult und dennoch muskulös und sehnig wirkt. Rodin zeigt, wie er gearbeitet hat, es ist fast physisch spürbar, wie er im Atelier so lange modellierte, bis er zufrieden mit dem Ergebnis war.

Rodin bei der Arbeit

Der französische Preisboxer und Ringer Jean Baud, der meist im Rotlichtmilieu auftrat, hat dafür dem Bildhauer Modell gestanden, nicht nur für den Denker, auch für andere Figuren, die Rodin in diesem neuen aufregenden Stil geschaffen hat. Rodin legte viel Wert auf eine…