Sie will nicht „die Martina mit dem erhobenen Zeigefinger“ sein, sagt Bundestrainerin Voss-Tecklenburg bei der letzten Presserunde vor der Abreise zur Europameisterschaft in England. Sie wolle den Spielerinnen „noch mehr Freiheit geben, noch mehr Lockerheit“ und habe sich selbst verordnet, „mich zurückzunehmen und gelassen zu bleiben“.

Martina Voss-Tecklenburg spricht nicht nur über Gelassenheit, sondern scheint sich diese auch zu eigen gemacht zu haben. Nach außen wirkt die 54-Jährige, als sei sie mit sich und ihrer Arbeit im Reinen. Der 7:0-Kantersieg im letzten EM-Testspiel gegen die Schweiz lässt Voss-Tecklenburg mit einem guten Gefühl nach England reisen. Doch sie weiß natürlich, dass eine Bundestrainerin an ihren Erfolgen gemessen wird. Und dass der Deutsche Fußball-Bund (DFB) ganz genau auf die Auftritte der Nationalmannschaft bei der EM schauen wird – auch wenn Voss-Tecklenburgs Vertrag noch bis 2024 läuft.

Anspruch: Zu den Titelfavoritinnen gehören

Bei ihrem ersten Turnier als Bundestrainerin, der Weltmeisterschaft 2019 in Frankreich, war Voss-Tecklenburg erst ein gutes halbes Jahr auf dem Posten. Und doch gab es nach dem Viertelfinal-Aus gegen Schweden auch Kritik an ihr. Denn das Team hatte mit dem frühzeitigen K.o. auch das Ticket für die Olympischen Spiele in Tokio verspielt – und damit das, was Voss-Tecklenburg als WM-Ziel ausgegeben hatte. Zwei Jahre später gibt sich die Bundestrainerin mit dem Blick zurück selbstkritisch.

Voss-Tecklenburg will ihre Spielerinnen wie Giulia Gwinn (l.) nicht überfordern

„Ich glaube, dass ich die eine oder andere unbewusst überfordert habe“, sagt Voss-Tecklenburg über ihren damaligen Umgang mit ihren Spielerinnen. Daran habe sie mit ihrem Trainerinnenteam gearbeitet. „Das ist besser geworden. Wir sind miteinander gewachsen.“ Fühlt sie sich jetzt bei der EM unter höherem Druck als 2019 bei der WM? „Ich spüre nicht mehr Druck als den, den wir uns selbst auflegen“, antwortet Voss-Tecklenburg. „Und unser Anspruch…