Drei Tage lang hing die Installation „Peoples Justice“ des indonesischen Künstlerkollektivs Taring Padi an einem Gerüst im Zentrum Kassels, bevor es nach Antisemitismus-Vorwürfen wieder abgebaut wurde. Es zeigte eine Art Weltgericht als Wimmelbild. Darauf war auch ein Soldat mit Schweinsgesicht und Davidstern zu sehen sowie eine Figur mit Schläfenlocken, Raffzähnen und SS-Runen auf dem Hut.

„Wir entschuldigen uns für die Enttäuschung, die Schande, Frustration, Verrat und den Schock, den dieses Stereotyp bei den Zuschauern und dem ganzen Team verursacht hat“, teilten die Kuratoren der documenta, das ebenfalls aus Indonesien stammende Kollektiv Ruangrupa, jetzt mit. Man habe gemeinsam versagt, jene Teile in dem Kunstwerk zu erkennen, die klassische Stereotype von Antisemitismus hervorriefen. „Wir sehen ein, dass das unser Fehler war.“

Das Riesenbanner „People’s Justice“ von Taring Padi wurde wegen antisemitischer Bildelemente drei Tage nach der Eröffnung der documenta fifteen wieder abgenommen

Wer trägt die Verantwortung?

Die Aufarbeitung des Debakels ist in vollem Gange. Die Antisemitismusbeauftragten von Bund und Ländern forderten Konsequenzen und eine klare Benennung der Verantwortlichen. „Die Feststellung der Verantwortlichkeiten im Umgang mit antisemitischer Bildsprache und anderen judenfeindlichen Inhalten ist dringend notwendig“, erklärte die Bund-Länder-Kommission zur Bekämpfung von Antisemitismus und zum Schutz jüdischen Lebens. Es sei wichtig, „die Versäumnisse und Fehler bei Planung, Vorbereitung und Durchführung der documenta klarzustellen und Konsequenzen zu ziehen“.

Kulturstaatsministerin Claudia Roth (l.), Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und die Generaldirektorin der documenta, Sabine Schormann, bei der Eröffnung der Kunstschau am 18. Juni 2022

Nach der Erklärung von Bundeskanzler Olaf Scholz, wegen der Ereignisse nicht zur documenta fifteen zu kommen, hat Kassels Oberbürgermeister Christian Geselle einen Brief an den…