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Neuanfang? Vor dem Linken-Parteitag appelliert die Chefin

Janine Wissler (die Linke) spricht bei einer Bundestagssitzung. Foto: Britta Pedersen/dpa

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Wahlniederlagen, Sexismusvorwürfe, Querelen: Die Linke ringt mit sich und der Welt. Beim Parteitag in Erfurt am Wochenende geht es ums Ganze.

Vor ihrem Krisen-Parteitag versucht die Linke, ihre Reihen zu schließen. Parteichefin Janine Wissler verlangte am Donnerstag eine geschlossene Linie.

«Wer für die Partei spricht, muss die Position der Partei vertreten», sagte sie der Deutschen Presse-Agentur. Der Leipziger Sören Pellmann, der sich als Co-Vorsitzender bewirbt, meinte, die Partei müsse «sich unterhaken und Egoismen zurückstellen». Die frühere Fraktionschefin Sahra Wagenknecht betonte hingegen den Richtungsstreit und kritisierte die Parteispitze scharf. Der Parteitag beginnt am Freitag in Erfurt.

Wagenknecht sagte der «Frankfurter Rundschau» mit Blick auf die Linie zum russischen Angriffskrieg in der Ukraine: «Dass jetzt auch der Linken-Parteivorstand für sogenannte Menschenrechtskriege ohne UN-Mandat wirbt, entsetzt mich. Das wäre der endgültige Bruch mit der bisherigen friedenspolitischen Tradition der Linken.» Von Parteichefin Wissler setzte sich Wagenknecht klar ab: «Ich glaube, wir brauchen frische, überzeugende Gesichter an der Spitze, Persönlichkeiten, bei denen die Leute sagen: Die setzen sich wirklich für uns ein!»

Die Ausgangslage: Es geht für die Linke ums Ganze

Wissler, Wagenknecht und andere sind sich zumindest einig, dass die Partei in einer Existenzkrise sei. Bei der Bundestagswahl hatte die Linke mit 4,9 Prozent den Einzug ins Parlament nur über drei direkt gewonnene Mandate in Berlin und Leipzig geschafft. Eines davon gewann Pellmann. Bei den Landtagswahlen im Saarland erreichte sie 2,6 Prozent, in Schleswig-Holstein 1,7…