Homosexualität ist in Katar verboten. Beziehungen zwischen Männern können mit langjährigen Gefängnisstrafen sanktioniert werden. Daran hat auch die Vergabe der Fußball-WM an das Emirat am persischen Golf bisher nichts geändert. Betroffene haben Angst und müssen im Verborgenen leben, berichten sie in einer Reportage des Fernsehsenders RTL. Damit konfrontiert stellte DFB-Direktor Oliver Bierhoff im Interview die Frage: „Wie konnte eine FIFA die Vergabe in dieses Land geben?!“ 

Menschenrechte bei der Vergabe irrelevant

Das verwundert, schließlich hatte Bierhoff die „Entwicklungen“ in Sachen Menschenrechten in Katar noch im März hervorgehoben. Der WM-Gastgeber gilt als wichtiger Partner in der Region. Jetzt schlägt Bierhoff andere Töne an. Man müsse bei der Vergabe „einfach kritisieren, dass im ersten Punkt nur vielleicht auf Stadien oder andere Punkte geachtet wurde, oder natürlich Kommerz und nicht auf diese Aspekte, wie Menschenrechte oder andere gesellschaftliche Themen“ sagte Bierhoff. Die nächsten Vergaben sollten nur an Länder erfolgen, „in denen solche Dinge nicht passieren“.

Bei einem Deutschlandbesuch im Mai hatte Tamim bin Hamad Al Thani, das Staatsoberhaupt von Katar, Besucherinnen aus aller Welt aufgerufen in sein Land zu kommen. Auch Angehörige der LGBQI+-Gemeinschaft hatte er in seinem Statement eingeschlossen, jedoch mit dem Zusatz, dass „die Kultur Katars“ respektiert werden müsse.  

Eine Reiseempfehlung für Angehörige der LGBTIQ+-Gemeinschaft wollte der DFB-Direktor nicht aussprechen: „Es ist schwer. Ich weiß es nicht. Ich glaube, das kann jeder für sich nur selber entscheiden, ob er das für sich als Risiko betrachtet“, sagte Bierhoff: Er hoffe aber, dass es im Rahmen des Turniers „für einen gewissen Zeitraum eine gewisse Glocke“ gebe, die eine Sicherheit garantiere.

jk/asz (sid,dpa)