Die Zahl der von akuter schwerer Mangelernährung bedrohten Kinder steigt laut UNICEF Deutschland von Minute zu Minute. Fast acht Millionen Kinder unter fünf Jahren in 15 Krisenländern seien dadurch vom Tod bedroht. „Wir erleben gerade, wie ein Pulverfass Feuer fängt“, mahnte die Exekutivdirektorin des UN-Kinderhilfswerks, Catherine Russell.

Es sei schwer zu beschreiben, was es für ein Kind bedeute „stark ausgezehrt“ zu sein. „Aber wenn man ein Kind trifft, das an dieser tödlichsten Form der Mangelernährung leidet, versteht man es – und man vergisst es nie“, sagte Russell. Man dürfe keine Zeit verlieren. „Wer darauf wartet, dass eine Hungersnot ausgerufen wird, wartet darauf, dass Kinder sterben.“

UNICEF braucht 1,2 Milliarden US-Dollar

Steigende Lebensmittelpreise wegen des Ukraine-Kriegs, Dürreperioden und die wirtschaftlichen Auswirkungen der Corona-Pandemie verschärften die Ernährungsunsicherheit bei Kindern weltweit, so UNICEF.

Zur Versorgung der gefährdeten Kinder unter anderem am Horn von Afrika und in der Sahelzone benötigt das Kinderhilfswerk nach eigenen Angaben 1,2 Milliarden US-Dollar (1,1 Milliarden Euro). Finanziert werden sollen damit präventive Programme zur Unterstützung der Ernährung bei Schwangeren und Kleinkindern, Früherkennungs- und Behandlungsprogramme für Kinder mit schwerer akuter Mangelernährung sowie die Beschaffung und Verteilung von gebrauchsfertiger therapeutischer Nahrung.

Der Vorsitzende von UNICEF Deutschland, Georg Graf Waldersee, appellierte an die sieben führenden Industrienationen (G7), Ernährungssysteme sowie die gesundheitliche Versorgung von Kindern weltweit nachhaltig zu sichern und zu stärken.

Die G7-Gruppe kommt am Sonntag im bayerischen Elmau zu einem zweitägigen Gipfeltreffen zusammen. Ein Thema dort wird der weltweite Hunger sein. Neben Deutschland gehören zur G7 Frankreich, Großbritannien, Italien, Japan, die USA und Kanada.

se/jj (epd, afp, dpa)