Einen Tag, nachdem die documenta ein umstrittenes Werk des indonesischen Kollektivs Taring Padi wegen antisemitischer Elemente entfernen ließ, werden die Rufe nach Konsequenzen lauter. Die „Jüdische Allgemeine“, die vom Zentralrat der Juden in Deutschland herausgegeben wird, rief Kulturstaatsministerin Claudia Roth (Grüne) zum Amtsverzicht auf. Der neue Präsident der Deutsch-Israelischen Gesellschaft (DIG), Volker Beck, forderte den Rücktritt von documenta-Generaldirektorin Sabine Schormann. Auch die Mitglieder des documenta-Kontrollgremiums unter Leitung des Kasseler Oberbürgermeister Christian Geselle (SPD) sollten ihre Posten zur Verfügung stellen.

Gerät in Erklärungsnot: Kulturstaatsministerin Claudia Roth

Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) erklärte gegenüber der „Jüdischen Allgemeinen“, er werde in diesem Jahr die Kunstschau in Kassel nicht besuchen, auch wenn er „in den vergangenen 30 Jahren wohl keine documenta versäumt“ habe. Eine Sprecherin erklärte den Angaben zufolge, der Bundeskanzler finde „die besagte Abbildung in Kassel abscheulich und hält es für völlig richtig und angemessen, dieses Plakat zu entfernen“. In Deutschland sei „kein Platz für antisemitische Darstellungen, auch nicht auf einer Kunstausstellung“.

Das Banner von Taring Padi ist abgebaut

Die Installation „People’s Justice“ des indonesischen Künstlerkollektivs Taring Padi hing nur drei Tage an einem Gerüst auf dem zentralen Friedrichsplatz, bis die antisemitische Bildsprache des Banners bemerkt und öffentlich scharf kritisiert wurde. Immer lauter wurden die Forderungen nach Konsequenzen. Am Dienstagabend bauten die Künstler ihr Werk schließlich ab, nachdem es zuvor verhüllt worden war.

Auch die bunten Pappaufsteller zu Füßen des Banners, die in unzähligen Workshops von Taring Padi mit hunderten Beteiligten entstanden, wurden entfernt. Rund 100 Menschen verfolgten das Geschehen. Es gab Pfiffe und Buhrufe. Andere klatschten Beifall. Nur das Gerüst für das Kunstwerk steht noch…