Der Auslöser für den Skandal mit Ansage ist haushoch. Auf einer Fläche von neun mal zwölf Metern prangt seit dem Eröffnungswochenende der Documenta das Banner „People’s Justice“, mitten im Zentrum der Weltkunstausstellung, unübersehbar. Ein Weltgericht als Wimmelbild, darauf ein israelischer Soldat mit Schweinsgesicht und Davidstern sowie eine weitere Figur mit Schläfenlocken, gierigen Raffzähnen und SS-Runen auf dem Hut.

Die Reaktionen ließen nicht lange auf sich warten: Politik, Vertreter jüdischer Organisationen und auch die israelische Botschaft in Berlin übten scharfe Kritik. Und die Documenta? Generaldirektorin Sabine Schormann bedauert, dass Gefühle verletzt wurden, mit dem indonesischen Künstlerkollektiv Taring Padi wurde vereinbart, das Kunstwerk bereits am Montagabend zu verhüllen und am Standort eine Erklärung anzubringen. „People’s Justice“ solle nun ein Symbol für den im Moment unmöglichen Dialog sein, hat die Gruppe verkündet und drückt ihr Bedauern darüber aus, dass ihr Werk „in diesem speziellen Kontext in Deutschland als beleidigend empfunden wird“.

Documenta-Chefin: Hilflose Rechtfertigung

Nur in Deutschland? Die Darstellung bedient übelste antisemitische Stereotype, die nicht nur in Deutschland empören. Und auch die Stellungnahme der Documenta-Chefin, dass man sich künstlerische Exponate nicht vorab zur Prüfung vorlegen lassen könne, ist nichts als eine hilflose Rechtfertigung.

DW-Redakteurin Sabine Kieselbach

Man hat im Vorfeld, auch von Documenta-Seite, alle Kritik zurückgewiesen und die Chance zum Dialog verstreichen lassen, als man die geplante Diskussionsreihe „Wir müssen reden“ im Mai abgeblasen hat. Dabei gab es Warnungen schon seit Monaten, allen voran vom Zentralrat der Juden in Deutschland, der sich nun in allen Punkten bestätigt sieht.

Denn schon bevor es jetzt zum Eklat kam, hatte es heftige Kritik an den Werken einer palästinensischen Künstlergruppe gegeben, die mit ihren Arbeiten das Vorgehen der israelischen Armee…