Das haushohe Gerüst steht mitten auf dem zentralen Friedrichsplatz in Kassel. Daran hängt ein garagentorgroßes, mit Bildern und Symbolen übersätes Transparent des indonesischen Künstlerkollektivs Taring Padi. Am Freitag haben die Künstler es entrollt. Drei Tage später erleben staunende Kasseler und Besucher der Kunstausstellung, wie das dreiteilige Wandbild wegen seiner antisemitischen Bildsprache wieder verhüllt wird. „Sehr traurig, dass vorher nicht genauer hingeguckt worden ist, und dass jetzt das Thema Antisemitismus eine größere Rolle spielt als Kunst, Kultur und Freude an der documenta-Ausstellung“, sagt eine Besucherin.

Bei genauerem Hinsehen wären die antijüdischen Motive und Stereotype im Banner von Taring Padi vielleicht aufgefallen: Da ist ein Soldat mit Schweinsnase und rotem Halstuch, auf dem ein Davidstern prangt. Sein Helm trägt den Schriftzug „Mossad“ (das ist der Name des israelischen Geheimdienstes). Außerdem sieht man einen Mann mit spitzen Zähnen, Zigarre im Mund und SS-Runen auf dem Helm: Symbolen der SS („Schutzstaffel“), einer Organisation, die während des Nationalsozialismus in Deutschland maßgeblich an Planung und Durchführung des millionenfachen Mordes an den Juden beteiligt war. SS-Runen zu verbreiten, ist in Deutschland strafrechtlich verboten.

Holocaust-Überlebende an finstere Zeiten erinnert

„Der Jude als Nazi und Schwein, das sind antisemitische Klassiker!“, sagte Meron Mendel, Direktor der Bildungsstätte Anne Frank in einem Interview mit der Berliner Zeitung. „Die erniedrigende Darstellung jüdischer Menschen auf ausgestellten Zeichnungen“, erklärt Christoph Heubner, Exekutiv-Vizepräsident des Internationalen Auschwitz Komitees, „ist mit antisemitischen Klischees behaftet, die den Holocaust-Überlebenden sehr bekannt vorkommen und sie an die finsteren Zeiten erinnern, in denen sie mit ähnlichen Zeichnungen ausgestoßen und gejagt wurden.“

Ein Mann mit Wolfszähnen und SS-Zeichen auf dem Hut: Ein Detail auf der…