Meinung

Vorschlag des Bundespräsidenten
Ein verpflichtender sozialer Dienst für Jugendliche? Das ist eine wirklich schlechte Idee, Herr Steinmeier

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, 66

© Bernd von Jutrczenka / Picture Alliance

14.06.2022, 10:18
4 Min. Lesezeit

Das Timing ist merkwürdig, die Intention unklar und überhaupt wirft der aktuelle Vorschlag des Bundespräsidenten, Jugendliche einen sozialen Zwangsdienst verrichten zu lassen, viele Fragen auf – findet zumindest unsere Redakteurin.

Erinnern Sie sich, wann Sie in den vergangenen zwei Jahren das letzte Mal bewusst etwas von unserem Bundespräsidenten mitbekommen haben? Da war nicht viel, richtig – und das ist ja gar nichts Schlechtes. Ein Bundespräsident soll weise im Hintergrund unterstützen, repräsentieren, Hände schütteln und Auszeichnungen verleihen. Und bitte den Populismus den Parteivertretern überlassen. Das hat Frank-Walter Steinmeier eigentlich immer angenehm gelassen getan. Bis jetzt. Mit seiner Forderung nach der Einführung eines sozialen Pflichtdienstes für junge Menschen hat der SPD-Politiker eine Diskussion losgetreten, die ihm nicht gefallen kann.

Dabei handelt es sich um einen Vorschlag, der ja in der Vergangenheit – mindestens seit Aussetzen der Wehrpflicht – immer mal wieder aufkam. In der Regel allerdings dann, wenn es gerade wenig andere politische Probleme gab. Ein typisches Sommerlochthema, mit dem man recht sicher ein paar unentschlossene Wähler aus der Ü40-Gruppe auf seine Seite ziehen konnte, deren eigene Jugend lange genug her war, so dass ihnen die jungen Menschen ausreichend hedonistisch und egoistisch vorkamen. Denen ein bisschen soziales Gewissen einbläuen, sie mal „richtig“ arbeiten lassen (für richtig wenig Geld), mal zeigen, dass das Leben nicht nur Spaß macht? Klingt doch gut?

Steinmeier will die jungen Menschen mal aufs „echte Leben“…