Einen klaren Favoriten für die Goldene Palme hatte es im Vorfeld der diesjährigen Filmfestspiele von Cannes nicht gegeben. Im Rennen um den Hauptpreis waren 21 Filme, darunter Beiträge von Top-Namen wie den belgischen Dardenne-Brüdern („Tori and Lokita“), des Japaners Hirokazu Koreeda („Broker“) oder des kanadischen Altmeisters David Cronenberg („Crimes of Future“). Gerade mal vier Filme im Wettbewerb stammten von Frauen: „Mother and Son“ von Léonor Serraille, „Showing Up“ von Kelly Reichardt, „Stars at Noon“ von Claire Denis und „Le Otto Montagne“ von Charlotte Vandermeersch und Felix van Groeningen.

Am Samstagabend gab die Jury dann ihre mit Spannung erwartete Entscheidung bekannt: Bester Film und damit Gewinner der Palme d’Or ist „Triangle of Sadness“ von Ruben Östlund. 2017 hatte der Schwede mit „The Square“ gewonnen.

Eine besondere Goldene Palme zum 75. Jubiläum: Drapiert auf Rosenquarz und mit 100 Diamanten verziert

„Triangle of Sadness“ ist eine schrille Satire auf den Kapitalismus und karikiert die Welt des Geldadels: Eine Jacht voller Superreicher wird von Piraten gekapert und die Passagiere stranden auf einer verlassenen Insel. Die Putzfrau ist die einzige, die fischen und Feuer machen kann, und steigt zur Anführerin in der sozialen Hackordnung auf.

Jury zeigt sich schokiert

Es ist ein Film über die Absurdität des Kapitalismus, über Machtverhältnisse und soziale Ungleichheit. „Doch den Film anzuschauen, inmitten einer Menge privilegierter und gestylter Frauen und Männer der Film-Elite, war an Ironie kaum zu überbieten“, schrieb DW-Reporter Scott Roxborough zur Festivalhalbzeit aus Cannes.

„Wir hatten das Ziel, einen spannenden Film für das Publikum zu machen und zum Nachdenken anzuregen“, sagte Regisseur Östlund, als er die mit hundert Diamanten besetzte goldene Trophäe entgegennahm. Eine Szene, in der ausgiebig gezeigt wird, wie sich die Gäste des Schiffs übergeben und an heftigem Durchfall leiden, hatte bei der Premiere in der…