Der Verleumdungsprozess der Hollywood-Stars Johnny Depp und Amber Heard hat sich zu einem kontrovers diskutierten Thema im Internet entwickelt. Im Netz wird hitzig über Schuld und Unschuld des Ex-Ehepaars diskutiert. Im Gegensatz zum Gericht scheinen Social-Media-Influencer und deren Follower bereits ihre Urteile gefällt zu haben. Dass so viele Menschen eine klare Meinung zu dieser Promi-Schlammschlacht vertreten, liegt wohl vor allem daran, dass der Prozess live im Internet gestreamt wird.

Begonnen hat alles mit einem Meinungsartikel, den Amber Heard 2018 in der Washington Post inmitten der #MeToo-Bewegung veröffentlichte. In ihrem Artikel schrieb sie über häusliche Gewalt, die sie am eigenen Leib erlebt habe. Ihr Ex-Ehemann Johnny Depp wurde darin nicht namentlich genannt. Doch der Fluch-der-Karibik-Star verklagte Heard 2019 und drehte den Spieß um, indem er behauptete, sie habe ihn verleumdet, sie sei die eigentliche Täterin gewesen. Heard reagierte mit einer Gegenklage. Aussage gegen Aussage. Millionen von Dollar Schadenersatz stehen im Raum. Nun geht der Prozess in einem Gericht in Virginia diese Woche in seine Endphase. Am 27. Mai soll ein Urteil fallen.

Johnny Depp wirft seiner Ex-Frau Amber Heard vor, 2018 in der „Washington Post“ falsche Aussagen zum Thema häusliche Gewalt gemacht zu haben

Vom „Fluch der Kameras“

Zuschauer können die Schlammschlacht weltweit kostenlos im Internetfernsehkanal „Court-TV“ verfolgen. Die einen sehen darin eine amüsante Fehde zwischen Hollywood-Millionären, die anderen eine nicht zu ertragende Farce.

Der „Fluch der Kameras“ sei der Kern des Problems, meint der Kölner Medienrechtsanwalt Lucas Brost im DW-Interview. „Die Bilder bleiben hängen – eine weinende Amber Heard oder ein lächelnder Johnny Depp. Das ruft in der Bevölkerung besondere Emotionen und auch Reaktionen hervor.“ 

Aus deutscher Perspektive sei der Prozess „eine sehr schwerwiegende Verletzung von Persönlichkeitsrechten“, so Brost. Er sehe es sehr…