Dieses Jahr scheint es in Cannes zwei ganz unterschiedliche Filmfestspiele zu geben. Zum einen hat das Festival nach zwei Jahren Corona sein Versprechen eingelöst, das „Kino zurückzubringen“. Es ist eine freudige und maskenfreie Zelebration von großen Filmen und Filmschaffenden. Die roten Teppiche voller Prominenter, die Partys wild und die Filme – vom Tom Cruise‘ Blockbuster „Top Gun“ bis zu Cristian Mungius‘ rumänischem Kleinstadtdrama R.M.N. – so mitreißend und bewegend, wie Kino nur sein kann.

Auf der anderen Seite ist da die harte Wirklichkeit, so wie der brutale Krieg in der Ukraine, der einem das Feiern verleidet. Bei der Weltpremiere von George Millers „Dreitausend Jahre Sehnsucht“, einer Art Erwachsenenmärchen wie aus 1001 Nacht mit Tilda Swinton und Idris Elba, entblößt sich eine Frau auf dem Roten Teppich: Die Farben der ukrainischen Flagge prangen auf ihrem halbnackten Körper, der Schriftzug „Hört auf, uns zu vergewaltigen“ quer über ihrer Brust.

Cannes 2022: Filme im Schatten des Kriegs

Solidarität mit der Ukraine

Auch die Filmfestspiele in Cannes zeigen sich angesichts des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine solidarisch. Die Festspielleitung schloss offizielle russische Vertreter sowie russische Filmschaffende aus. Einzig der in Deutschland lebende Regisseur Kirill Serebrennikov wurde zum Wettbewerb zugelassen.

Cannes 2022: Filme im Schatten des Kriegs

Russischer Filmbeitrag: „Tschaikowsky’s Wife“

Serebrennikovs Film „Tschaikowsky’s Wife“ („Tschaikowskis Frau“) wurde mit der Begründung zum Wettbewerb zugelassen, dass keine russischen Fördergelder geflossen seien, der Regisseur in Russland unter Hausarrest stand und seit seiner Freilassung im Exil in Deutschland lebt. Der Film handelt vom berühmten Komponisten Tschaikowski, der eine junge Frau heiratet, um seine Homosexualität zu verbergen.

Cannes 2022: Filme im Schatten des Kriegs

Sergei Loznitsa: Regisseur aus der Ukraine

Sergei Loznitsa (im Bild) ist der wohl…