Die Dokumente sind Teil des bisher umfassendsten Datenlecks aus dem Inneren staatlicher Umerziehungslager aus der Region Xinjiang im Nordwesten Chinas. Sie veranschaulichen das Ausmaß der Verfolgung und Masseninternierung zahlloser Menschen. Die „Xingjiang Police Files“, über die ein internationaler Medienverbund jetzt berichtet, enthalten Informationen über etwa 300.000 durch die Behörden registrierte Chinesen, überwiegend Angehörige der muslimischen Minderheit der Uiguren. Fotos, Reden und Behördenanweisungen bewiesen, dass es sich bei den Lagern nicht wie von der chinesischen Regierung behauptet um „berufliche Fortbildungseinrichtungen“ handele, sondern um hochgradig gesicherte Lager, machten Journalistinnen und Journalisten von 14 Medienhäusern aus aller Welt deutlich. In Deutschland waren der Bayerische Rundfunk und das Magazin „Der Spiegel“ an den Recherchen beteiligt.

Sicherheitskräfte mit Sturmgewehren, Folterstühle …

An die Öffentlichkeit gelangte Bilder zeigen Sicherheitskräfte mit Sturmgewehren. Andere Fotos dokumentieren, wie mit Holzknüppeln bewaffnete Männer einen Inhaftierten in Hand- und Fußfesseln abführen. Er trägt einen schwarzen Sack über dem Kopf und sitzt am Ende der Fotoserie in einem sogenannten Tiger Chair – einem speziellen Stuhl, der nach Angaben der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch in chinesischen Gefängnissen zur Folter verwendet wird. In dem Datensatz findet sich auch eine bislang unbekannte Rede aus dem Jahr 2017 des damaligen KP-Parteichefs der Region Xinjiang. Darin heißt es, jeder Gefangene, der auch nur versuche, ein paar Schritte weit zu entkommen, sei „zu erschießen“.

Hohe Haftstrafen

Für zahlreiche Personen haben die Behörden den Grund der Inhaftierung festgehalten. Ein Mann soll gemeinsam mit seiner Mutter eine Stunde lang eine Audiodatei gehört haben, in der es unter anderem um „religiöse Steuern“ ging: Sie bekamen 20 Jahre Haft wegen Vorbereitung einer terroristischen Handlung. Für das Studium…