Gericht bestätigt Haftstrafe
„Ich verachte Euer Gericht, Euer System“: Kreml-Kritiker Nawalny muss neun Jahre ins Gefängnis

Alexej Nawalny steht im Moskauer Bezirksgericht hinter einer Glasscheibe

© Alexander Zemlianichenko / AP / DPA

24.05.2022, 14:31
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Der Oppositionsführer Alexej Nawalny muss neun Jahre in Haft. Die Berufung wurde von einem russischen Gericht zurückgewiesen. Auf Nawalny warten jetzt noch härtere Bedingungen. Mit etwas Glück kann er aber seine Familie vorher noch einmal sehen.

Ein russisches Gericht hat die Berufung des Kreml-Kritikers Alexej Nawalny gegen eine neunjährige Haftstrafe zurückgewiesen. Das Urteil vom 22. März gelte unverändert und trete mit sofortiger Wirkung in Kraft, sagte ein Richter am Dienstag in Moskau. Dies bedeutet eine Verlegung Nawalnys in eine Strafkolonie mit deutlich härteren Haftbedingungen. Nawalny war im März wegen des Vorwurfs der Veruntreuung sowie Missachtung des Gerichts zu neun Jahren Haft verurteilt worden.

Der bereits inhaftierte Nawalny nahm – hinter Gittern – per Videoschaltung an dem Gerichtstermin teil. Er trug schwarze Gefangenenkleidung und eine Winterjacke, wirkte zunächst gefasst und scherzte über Probleme bei der Tonübertragung. Die Urteilsverkündung verfolgte er mit mürrischem Gesicht und nahm kein Blatt vor den Mund, als er sich zum Ende des Verfahrens ein letztes Mal äußern durfte: „Ich verachte Euer Gericht, Euer System“, sagte er, der Prozess habe „keinen Sinn“.

„Natürlich habe ich keine Lust, in einer Zelle zu stecken“, sagte er. „Ich würde lieber meine Kinder aufwachsen sehen.“ Er rief die Menschen auf, „keine Angst zu haben“. Angst zu haben sei ein „Verbrechen an unserer Zukunft“, fügte er hinzu.

Alexej Nawalny bittet um Verzögerung – um seine Familie noch einmal zu sehen

Der Berufungsprozess hatte vergangene Woche begonnen,…