Deutscher Meister war der HSV – und Europapokalsieger. Nur einen Aufstieg in die Bundesliga, den gabs noch nie. Die Relegation gegen Hertha BSC an diesem Donnerstag (19. Mai 2022) und kommenden Montag ist die Chance für Sonny Kittel, sich in die Liste der HSV-Helden einzureihen. Aber das ist kompliziert, wie fast alles beim Hamburger SV in den vergangenen Jahren. Dreimal verpasste der stolze Klub den Aufstieg, teils auf groteske Weise. Und Spielmacher Sonny Kittel mittendrin.

Das Auf und Ab verkörpert er wie kein anderer HSV-Profi. An guten Tagen ist er es, der die Mannschaft trägt. Der Mittelfeldmann ist mit 29 Jahren der älteste Feldspieler im Kader und derjenige der in der 2. Liga die meisten Treffer einleitet. 17 Assists hat er in dieser Saison schon gesammelt, neun Tore selbst erzielt. „Sonny spielt eine herausragende Saison. Die beste, die er für den HSV gespielt hat“, sagt Trainer Tim Walter über Kittel. Und die Saison geht in die Verlängerung, nachdem die Hamburger im letzten Spiel den Relegationsplatz sichern konnten und anschließend mit den mitgereisten Fans in Rostock feierten.   

Kittels schwieriger Weg

Kittel kennt aber auch die andere Seite. 2021 war er für viele HSV-Fans der Sündenbock, weil das Team erneut auf der Zielgeraden den schon fast sicher geglaubten Aufstieg verdaddelte. Immer mal wieder liefert er eine schwache Partie ab und zieht Kritik auf sich. Wie im April bei der Heimniederlage gegen Paderborn, als er für seine Leistung von einem Fußballmagazin eine glatte Sechs kassierte.  Im TV-Interview gab er sich davon aber ungerührt: „Ich lese so etwas nicht und halte das von mir fern. Ich selbst bin mein härtester Kritiker.“  Wegen der Anfeindungen hatte er schon im vergangenen Jahr sein Instagram-Profil mit rund 30.000 Followern gelöscht. Kittel ist keiner, der die große Öffentlichkeit braucht.

Das hat vielleicht auch mit seiner Geschichte zu tun. In einfachen Verhältnissen in Gießen aufgewachsen, muss ihn seine alleinerziehende…