Parlamentswahl
Hisbollah verliert Mehrheit – Libanon drohen unruhige Zeiten

Die Libanesen haben inmitten der schwersten Wirtschafts- und Finanzkrise in der Geschichte ihres Landes ein neues Parlament gewählt. Foto: Marwan Naamani/dpa

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Der Libanon leidet unter einer schweren Wirtschafts- und Finanzkrise. Den Unmut bekommen die Hisbollah und ihre Partner zu spüren. Irans Verbündeter könnte jetzt auf ein altbewährtes Mittel setzen.

Nach den Verlusten der schiitischen Hisbollah und ihrer Verbündeten bei der Parlamentswahl steht der ohnehin krisengeschüttelte Libanon vor unruhigen Zeiten.

Der Block um die mit dem Iran verbündeten «Partei Gottes» verlor nach dem vorläufigen Endergebnis vom Dienstag seine Mehrheit im Abgeordnetenhaus. Vertreter der Protestbewegung konnten hingegen unerwartet viele Sitze gewinnen. Auch andere Hisbollah-Gegner legten zu. Die Bildung einer Regierung dürfte schwierig werden. Beobachter warnen, die Hisbollah könnte wie früher schon Gewalt androhen, um ihre Ziele durchzusetzen.

Die schiitische Partei und ihre Verbündeten kamen bei der Abstimmung am Sonntag auf etwa 62 von 128 Abgeordneten – vor vier Jahren waren es 71 Mandate. Vertreter der oppositionellen Protestbewegung gewannen hingegen 13 Sitze. Ihr Ziel ist es, das Machtmonopol der Parteien zu brechen, die in dem Mittelmeerland seit Jahrzehnten regieren.

Unmut durch schwere Wirtschafts- und Finanzkrise

Zum Establishment zählen nicht nur die Hisbollah und ihre Partner, sondern auch deren alteingesessene Gegner. Alle zusammen müssen sich vorhalten lassen, den Libanon auszubeuten. Kritiker sprechen von einer «korrupten Regierungsmafia». Der Unmut ist gewachsen, nachdem das Land 2019 in die schwerste Wirtschafts- und Finanzkrise seiner Geschichte gerutscht ist. Damals kam es auch zu Massenprotesten, aus denen die bei der Wahl erfolgreichen…