In ihrer langen Geschichte haben die Internationalen Filmfestspiele von Cannes schon einiges erlebt, darunter Skandale wie die angebliche Gotteslästerung von Luis Buñuel 1961 oder den Ausschluss von Lars von Trier, nachdem dieser 2011 auf einer Pressekonferenz zu seinem Film „Melancholia“ seine Sympathie für Hitler zum Ausdruck gebracht hatte. Sie haben auch Stars hervorgebracht, wie beispielsweise Quentin Tarantino, der dort 1994 „Pulp Fiction“ vorstellte.

Nun steht ein großer Wechsel bevor: Festivalpräsident Pierre Lescure, der mit den diesjährigen 75. Filmfestspielen seinen Abschied nimmt, übergibt die Leitung an Iris Knobloch, mit der zum ersten Mal eine Präsidentin an der Spitze stehen wird.

Doch damit nicht genug: Knobloch – Tochter der ehemaligen Präsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland, Charlotte Knobloch, – wird als Deutsche in ihrem neuen Job auch die erste Ausländerin sein. Eine kleine Revolution, denn alle ihrer Vorgänger stammten aus Frankreich.

Der rote Teppich – ein wichtiger Teil der Filmfestspiele im internationalen Ringen um Stars

Die französische Filmindustrie ist für die 59-Jährige kein Neuland. Nach ihrer Ausbildung zur Juristin in München war sie 25 Jahre lang in verschiedenen Führungspositionen im europäischen Geschäft des US-Filmstudios Warner Bros. tätig, davon 15 Jahre als Vorsitzende der Warner Bros. France-Gruppe. Anschließend leitete sie die Geschäfte von Warner Bros. in Frankreich, Deutschland, den Benelux-Ländern, Österreich und der Schweiz.

Ihr Gespür für Erfolg bewies sie nachdrücklich, als es 2011 darum ging, ob der Film „The Artist“ von Regisseur Michel Hazanavicius in Cannes zum Wettbewerb eingeladen werden sollte. In der französischen Branche überwog die Ansicht, der Schwarz-Weiß-Stummfilm sei zu mainstreamig für das exklusive Cannes.

Gespür für Erfolg

Doch Knobloch setzte sich durch – und „The Artist“ wurde ein großer Erfolg. Der französische Hauptdarsteller Jean Dujardin…