Behutsam entfernt Peju Layiwola die Inventaretiketten auf den Benin-Bronzen. Ihre Gesten sind bedächtig, ja fast ehrfürchtig. Sie sind in einem Film festgehalten, der als Teil der Ausstellung „I MISS YOU“ auf den Boden des Rautenstrauch-Joest-Museums in Köln projiziert wird. Als sie die Objekte zum ersten Mal berührt habe, erzählt die nigerianische Künstlerin und Kunsthistorikerin, habe sie ein Gefühl der Nostalgie überkommen, denn sie sei sich der Geschichte dieser Werke bewusst geworden: „Wenn man sich die Arbeiten aus Benin ansieht, ist man von ihrer Schönheit fasziniert. Aber man erinnert sich auch daran, dass sie im Zusammenhang mit der Ermordung von Menschen entfernt wurden, dass Menschen starben, als diese Werke hierher kamen.“

Das Rautenstrauch-Joest-Museum, kurz RJM, beherbergt die viertgrößte Sammlung der sogenannten Benin-Bronzen. Das sind höfische Kunstwerke, die aus Messing, Elfenbein, Korallen und Holz im einstigen Königreich Benin (im heutigen Nigeria) gefertigt wurden. 1897 wurden sie aus dem Königspalast in Benin City geraubt: Unter dem Kommando von Admiral Sir Harry Rawson überfielen 1200 britische Elitesoldaten die ehemalige Königsstadt, töteten zahllose Menschen und brannten die Stadt bis auf ihre Grundfesten nieder. 

Zerstörung eines mächtigen Königreichs

Das Königreich Benin war bis zu jenem Überfall unabhängig vom Rest Nigerias, das damals bereits eine britische Kolonie war. Mit der Verwüstung der Stadt und der Verbannung des Königs ins Exil, konnten die Briten ihr Kolonialgebiet ausweiten. Sie zerstörten eines der wichtigsten und mächtigsten Königreiche in der Geschichte Afrikas. Ein Großteil der geplünderten Kunstschätze landete Anfang des 19. Jahrhunderts auf Auktionen in London, von wo aus sie nach Europa und Amerika gelangten – 96 davon gingen in die Sammlung des RJM in Köln über.

Admiral Sir Harry Rawson (Mitte) posiert mit einigen seiner Männer vor seiner Beute

Peju Layiwola ist eine Nachfahrin der…