„Dieser Sieg ist für jeden Ukrainer!“, rief Kalush-Sänger Oleh Psiuk in die Kameras, als die Gewinner die Trophäe überreicht bekamen. Die Stimmen der Jurys aus 40 Teilnehmerländern waren zwar bei dem Beitrag aus Großbritannien – doch das Fernsehpublikum schließlich setzte den Ukrainern die Krone auf. Aus fast jedem Land, das gewählt hat, gingen vom Publikum 12 Punkte an das Kalush Orchestra. Der 66. Eurovision Song Contest ist entschieden: Die Trophäe geht in ein Land, das seit fast drei Monaten mit einem grausamen Krieg überzogen wird – der ESC-Sieg wird an der Lage nichts verändern, aber die Mission der Musiker des Kalush Orchestra als Botschafter und Stimme ihres Landes ist erfüllt.

Nicht nur sie, auch andere Künstlerinnen und Künstler der 25 Länder, die an diesem Abend um den Sieg kämpften, forderten an diesem Abend „Peace for Ukraine“ – die Verantwortlichen der European Broadcasting Union EBU, die sonst sehr empfindlich auf politische Äußerungen reagieren, ließen es diesmal durchgehen. „Wir glauben, dass die Kommentare des Kalush Orchestra und anderer Künstler, die ihre Unterstützung für das ukrainische Volk zum Ausdruck bringen, eher humanitärer als politischer Natur sind“, hieß es in einem Statement gegenüber der Presseagentur dpa.

Das Kalush Orchestra beim Einlauf in die Halle

Austragungsort des ESC 2023 steht noch nicht fest

Der Sieger-Song „Stefania“ ist vor dem Krieg entstanden – Sänger Oleh Psiuk hatte ihn seiner Mutter gewidmet. Doch nun bekommen einige Zeilen aus dem Song eine ganz andere Bedeutung: „Ich werde immer den Weg nach Hause finden, auch wenn alle Straßen zerstört sind.“

Nach dem Sieg von Ruslana 2004 und von Jamala 2016 gewinnt die Ukraine zum dritten Mal den ESC. Jetzt stellt sich die Frage, welches Land im kommenden Jahr den Eurovision Song Contest ausrichtet – in der Ukraine wird dies kaum möglich sein. Einige Länder haben sich bereits angeboten – wie etwa Spanien, das die Veranstaltung nach Barcelona holen möchte.