Österreich
Schwierige Zeiten: Neuer ÖVP-Chef ringt um Zuversicht

Karl Nehammer, Bundeskanzler von Österreich, während einer Pressekonferenz zur Umbildung der Bundesregierung. Foto: Roland Schlager/APA/dpa

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Die machtverwöhnte ÖVP steckt in der Krise. Jetzt soll Kanzler Nehammer als neuer Parteichef den Konservativen eine «Mut-Injektion» geben. Auf dem Parteitag hat auch Vorgänger Kurz einen Auftritt.

Österreichs Kanzler Karl Nehammer soll am Samstag auf einem außerordentlichen Bundesparteitag zum neuen Vorsitzenden der konservativen ÖVP gewählt werden. Der 49-Jährige ist der einzige Kandidat. Sein Vorgänger Sebastian Kurz kam im August 2021 auf eine Zustimmung von rund 99 Prozent.

Die ÖVP ist inzwischen aber in einer schwierigen Lage. Gegen diverse ÖVP-Spitzenpolitiker laufen Ermittlungen wegen Korruptionsverdachts, die Umfragewerte der machtverwöhnten Partei sind stark gefallen, und wenige Tage vor dem Parteitreffen musste Nehammer nach dem Rücktritt von zwei Ministerinnen das Kabinett umbilden. Nehammer wolle der Partei eine «Mut-Injektion» verpassen, hieß es zuletzt aus seinem Umfeld.

Putin-Besuch machte international Schlagzeilen

«Es geht auch darum, dass wir das Vertrauen zurück erarbeiten, das ein Stück weit verloren gegangen ist», sagte der Kanzler der «Kleinen Zeitung». Unter den mehr als 1000 Gästen des Parteitags in Graz sind etwa 600 Delegierte stimmberechtigt.

Nehammer darf nach Überzeugung von Politik-Experten mit einem guten Wahlergebnis rechnen, da in dieser Situation jedes andere Abstimmungsverhalten die Partei und ihren Chef zusätzlich in Bedrängnis bringen würde. Nehammer war auch international zuletzt wegen seines überraschenden Besuchs bei Russlands Präsident Wladimir Putin in den Schlagzeilen. Das Treffen verlief ohne konkretes Ergebnis.