Die im thüringischen Gotha tagende Mitgliederversammlung des PEN-Deutschland hat mit großer Mehrheit für den österreichischen Schriftsteller Josef Haslinger als Interims-Präsidenten gestimmt, teilte ein Sprecher des Schriftstellerverbandes mit. Der 66-jährige Haslinger war bereits von 2013 bis 2017 Präsident des PEN-Zentrums Deutschland. Er soll nun zusammen mit einem Notvorstand bis zur Neuwahl der Führungsriege auf einer außerordentlichen Mitgliederversammlung in einigen Monaten die Geschäfte der Schriftstellervereinigung führen.

Auf Haslinger entfielen den Angaben zufolge 133 Ja-Stimmen von insgesamt 145 abgegebenen gültigen Stimmzetteln. In den Notvorstand wurden neben Haslinger die Autorin Claudia Guderian, die Schriftstellerin Maxi Obexer, die Journalistin Cornelia Zetzsche, der Schriftsteller Leander Sukov und die Regisseurin Astrid Vehstedt gewählt. Nur Vehstedt hatte auch dem alten Vorstand angehört.

Deniz Yücel und Vorstand zurückgetreten

Nach einer turbulenten Sitzung am Vortag, in dessen Zuge der Journalist Yücel zunächst knapp im Amt als Präsident bestätigt worden war, dann aber selbst zurück- und aus dem Verband austrat, war am Samstag auch der verbliebende Vorstand zurückgetreten. Der 48-jährige Ex-Präsident des PEN-Deutschland, der ein Jahr wegen angeblicher Terrorpropaganda in türkischer Untersuchungshaft saß, hatte hingeschmissen, weil er keine „prominente Galionsfigur einer Bratwurstbude“ sein wolle, so seine Wortwahl.

Deniz Yücel trat trotz Wiederwahl als PEN-Präsident zurück (Archivbild)

Hintergrund des ganzen Aufruhrs ist ein Streit im bisherigen Vorstand sowie Kritik am Führungsstil einzelner Vorstandsmitglieder. Vorwürfe von Mobbing, Beleidigungen und einem rüden Umgangston stehen im Raum. Stein des Anstoßes war ein an Dritte weitergeleiteter umfassender interner Mailverkehr. Der bisherige Vorstand um Yücel war erst im Oktober gewählt worden.

„Beschämend, unwürdig, schäbig“

Zahlreiche…