Wahlen
Frauen gegen die «Regierungsmafia» im Libanon

Nadschat Aoun Saliba kandidiert für das Parlament, um im Libanon endlich etwas zu verbessern. Foto: Marwan Naamani/dpa

© dpa-infocom GmbH

Erst eine schwere Wirtschaftskrise, dann die verheerende Explosion im Hafen von Beirut: Der Libanon geht langsam zugrunde. Mehrere Frauen wollen deswegen am Sonntag das Machtmonopol der Elite brechen.

Es waren Momente des Horrors, die der Libanon niemals vergessen wird: Als am 4. August 2020 eine verheerende Explosion die Hauptstadt Beirut erschütterte, erlebte das Land eine tiefe Zäsur.

Nicht nur, weil mehr als 190 Menschen starben und 6000 verletzt wurden. Nicht nur, weil die atombombengleiche Druckwelle Beiruts Hafen und Zentrum verwüstete. Sondern weil sie bei vielen Libanesen auch das letzte Vertrauen in die politische Führung zerstörte: «Der 4. August hat gezeigt, wie schlecht, rücksichtlos und korrupt unsere Regierung war», sagt die Professorin Nadschat Aoun Saliba.

Es muss endlich etwas passieren im Libanon

An diesem Sonntag wählt der Libanon erstmals seit der Explosion ein neues Parlament. Saliba, eigentlich eine renommierte Chemikerin an der wichtigsten Universität des Landes, kandidiert auf einer Oppositionsliste für einen der 128 Sitze im Abgeordnetenhaus. Warum sie sich zu diesem für eine Wissenschaftlerin ungewöhnlichen Schritt entschieden hat? Die 60-Jährige antwortet sofort: «Aus Frustration.»

Saliba zählt zu einer kleinen Zahl von Frauen, die es bei der Wahl mit der von Männern dominierten Machtelite des Libanon aufnehmen wollen. «Wir müssen sie durchschütteln», sagt sie. Bei der Explosion in Beirut sei die Würde der Libanesen vollständig zerstört worden: «Sie können nicht so weitermachen, wie sie es seit Jahrzehnten getan haben.»

Die Hoffnungslosigkeit der Menschen ist im…