Analyse

Der grüne Traum
Der Ukraine-Krieg wirft unsere Klimaziele über den Haufen – dabei wäre jetzt der Zeitpunkt für die Klimawende

Eine Tiefpumpe in der Nähe der Stadt Usinsk, 1500 Kilometer nordöstlich von Moskau

© Dmitry Lovetsky / AP / DPA

13.05.2022, 18:08
4 Min. Lesezeit

Der Ukraine-Krieg macht uns wieder schmerzlich bewusst, wie abhängig Deutschland bei der Stromversorgung vom Ausland ist. Gleichzeitig zeigt sich daran die Verlogenheit unserer Klimapolitik.

Klimaaktivisten dürften dieser Tage mit einem rechthaberischen Blick nach Berlin sehen, wo sich Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck darum bemüht, alle Ängste um mögliche Versorgungsengpässe beim Strom auszuräumen. Die Gasspeicher seien voll, betonte er zuletzt. Und auch nach der letzten Ankündigung des russischen Energieriesen Gazprom gibt sich der Minister gelassen. Täglich fehlen ab jetzt zehn Millionen Kubikmeter Gas aus Russland, aber: „Das ist eine Menge, die kompensierbar ist, und die Unternehmen sind dabei, das Gas über andere Quellen zu beschaffen“. Deutschland habe sich auf diese und weitere denkbare Situationen vorbereitet, so Habeck. So weit so gut.

Und trotzdem kommt der Wirtschaftsminister nicht umhin, eine Warnung aufzusprechen: Bis zum nächsten Winter müssten die Speicher voller sein als im vergangenen. Denn niemand wisse, „welche Eskapaden Russland noch schlagen wird“. Ein ungemütlicher Winter ist damit nicht ausgeschlossen. Ob es dann daran liegt, ob Russland den Deutschen gänzlich den Energiehahn abgedreht hat oder die Bürger wegen der unbezahlbaren Preise bibbern müssen, wird sich noch zeigen.

Als Klimaaktivist könnte man nun argumentieren: Hätte sich Deutschland schon viel früher und richtig tief in den Ausbau und das Speichern erneuerbarer Energien reingekniet, dann wären wir heute wohl weit unabhängiger von der russischen Willkür. Noch im…