Pints, Pornos und Kokain
Skandale im britischen Parlament

«Giftiger Cocktail»: Was ist im britischen Parlament los? Foto: Matt Dunham/AP/dpa

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«Mutter aller Parlamente» wird die Herzkammer der britischen Demokratie oft genannt. Doch in London führen sich Abgeordnete und Mitarbeiter auf wie ausgeflippte Söhne. Jetzt macht man sich daran, den Ruf zu retten.

Saufen, koksen, sexuelle Übergriffe: Im britischen Parlament reiht sich ein Skandal an den nächsten. Mehrere Abgeordnete traten wegen schweren Fehlverhaltens zurück. Der Ruf des ehrbaren Hauses ist angeschlagen.

Doch nicht nur Parlamentarier aller Couleur lassen die Puppen tanzen, auch Mitarbeiter. Allein im März wurden in den Gebäuden an der Themse neun alkoholbedingte Sicherheitsvorfälle gemeldet. Vieles erinnert an die Feiern während der Corona-Lockdowns in der Downing Street («Partygate»).

«Das Unterhaus ist kein Ort, wo wir übernachten. Es ist kein Ort, an dem wir völlig betrunken und ohne Kontrolle auftauchen», rief Justiz-Staatssekretärin Victoria Adams im Sender Times Radio zur Ordnung. «Dies ist eine Arbeitsstätte. So sollten sich Leute am Arbeitsplatz nicht verhalten.» Was fast flehentlich klingt, ist nicht die erste Mahnung an Abgeordnete und Beschäftigte in der «Mutter aller Parlamente». Seit Wochen gibt es Appelle, die Kultur in Westminster müsse sich endlich ändern.

Das Parlament hat ein Alkoholproblem

Immer deutlicher wird, welch zentrale Rolle Alkohol im Regierungsviertel spielt. Es ist üblich, dass sich Abgeordnete, Mitarbeiter, Lobbyisten und Journalisten in einem der vielen Pubs wie dem «Red Lion» zum Plausch treffen – und zu mehreren Pints. Wer nicht hingeht, kann nicht mitreden. Im Parlament selbst gibt es eine Kneipe, wo die Preise deutlich niedriger sind als anderswo im Vereinigten Königreich.