Nadia Nadim ist 8 Jahre alt, als ihr Vater von den Taliban ermordet wird – hingerichtet mit einem Schuss in den Hinterkopf. So zumindest wurde es ihrer Mutter Hamida zugetragen, erzählt Nadia Nadim zu Beginn des Dokumentarfilms „Nadia“, für den sie sich anderthalb Jahre lang von der Kamera begleiten ließ. Ruhig und gefasst blickt sie in dieser ersten Szene in die eigene Geschichte zurück, stellt mehr fest, als dass sie erzählt. Die Kamera ist nah bei ihr, zeigt sie in einem sterilen Raum, den die letzten Strahlen des Tageslichts in ein seltsam bläuliches Licht tauchen. 

Dann ein harter Cut: Treibende Geigenmusik untermalt Szenen von Nadia Nadim bei Spielen für den französischen Fußballclub Paris Saint-Germain (PSG), immer wieder unterbrochen mit zum Teil verstörendem Archivmaterial aus Afghanistan von weinenden Kindern, verprügelten Frauen und zerstörten Städten. Innerhalb von nur fünf Minuten sind die großen Linien dieses eindringlichen Dokumentarfilms gezeichnet: Es geht es um Krieg, Flucht, und Fußball. 

2021 gewinnen Nadia und ihre Mitspielerinnen bei Paris Saint-Germain die französische Champions League der Frauen

Eine vielseitige Protagonistin

„Ich habe einfach versucht, so ehrlich wie möglich gegenüber Nadia zu sein“, sagt Regisseurin Anissa Bonnefont im Gespräch mit der DW, „und Nadia vereint all diese komplexen Themen in ihrer Person.“ Als Anissa Bonnefont ihre junge Protagonistin 2019 zum ersten Mal trifft, verstehen sich die Frauen auf Anhieb. Diese Nähe ist durch den ganzen Dokumentarfilm hindurch zu spüren. Nadia Nadim lässt Anissa Bonnefont und damit die Zuschauenden sehr nah an sich und ihre Geschichte heran. Dabei bleibt Nadia stets würdevoll, der Blick der Kamera ist nie voyeuristisch.

Ihre Familie und allen voran Nadias mutige Mutter Hamida lernen wir während der knapp 85-minütigen Doku kennen: Nach dem Tod des Vaters war Hamida mit ihren fünf Töchtern auf sich allein gestellt. Als alleinstehende Frau hatte sie während…