Lieferengpässe wegen Ukraine-Krieg
Explodierende Getreidepreise: Die Ukraine kämpft gegen Invasoren, die Welt gegen Hunger

Eine ägyptische Bäuerin trägt ein Bündel Weizen auf einem Feld. Der nordafrikanische Staat bezog 2020 82 Prozent seines Weizens aus Russland und der Ukraine

© Amr Nabil / AP / DPA

13.05.2022, 19:01
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Russland und die Ukraine gelten als die Kornkammern der Welt. Doch nun droht fernab des Kriegsgeschehens die Hungersnot. Grund dafür ist ein wirtschaftlicher Dominoeffekt, der die Welt vor eine humanitäre Katastrophe stellt.

Eine weltweite Hungerkrise bahnt sich an – wenn sie nicht bereits längst da ist. Der russische Angriffskrieg in der Ukraine stellt zahlreiche Entwicklungsländer, vor allem in Afrika, vor massive Lieferengpässe, insbesondere von Getreide. Die Einfuhrpreise, so das Statistische Bundesamt, haben ein Zehn-Jahres-Hoch erreicht.

Weltbankpräsident David Malpass warnte bereits Ende April gegenüber der britischen BBC vor einer sich anbahnenden „menschlichen Katastrophe“. Man rechne mit Preisanstiegen bei Lebensmitteln von 37 Prozent. Inzwischen leiden 800 Millionen Menschen unter Hunger, mahnt auch Welthungerhilfe-Vizepolitikchef Rafael Schneider in der „Neuen Osnabrücker Zeitung“. Die Organisation sagte diese Woche voraus, dass sich die jetzt schon bedrohliche Lage in naher Zukunft „drastisch“ verschlimmern werde.

Russland und die Ukraine gehören zu den weltweit größten Exporteuren von Weizenprodukten und decken zusammen fast ein Drittel des globalen Bedarfs ab. Vor Kriegsbeginn, so berichtet das Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen, wurde ein Großteil des in der ukrainische angebauten Weizens – genug, um 400 Millionen Menschen zu ernähren – über sieben Häfen am Schwarzen Meer verschifft. Inzwischen stauen sich 25 Millionen Tonnen Getreide in den von der russischen Marine blockierten…