Matthias Behr
Fechter erstach seinen Gegner – jetzt nimmt er Verwandte von dessen Witwe aus der Ukraine auf

Der Schock steht ihm ins Gesicht geschrieben: Matthias Behr nach dem tragischen Gefecht mit Wladimir Smirnow 1982 in Rom

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13.05.2022, 11:48
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Florettfechter Matthias Behr verletzte bei einem Unfall 1982 seinen sowjetischen Gegner tödlich. Jetzt bietet er Verwandten der Witwe, die vor dem Ukraine-Krieg fliehen, Zuflucht.

Der 19. Juli 1982 verfolgte Matthias Behr sein ganzes Leben lang. An diesem Tag stand der westdeutsche Weltklasse-Fechter bei der WM in Rom auf der Planche, im Viertelfinale trat er mit dem Florett gegen den amtierenden Weltmeister Wladimir Smirnow aus Sowjetunion an. Dann das Unglück: Behrs Klinge brach ab, bohrte sich durch die Maske seines Gegners in dessen Auge bis ins Gehirn. Smirnow starb acht Tage nach dem Gefecht im Krankenhaus an seinen Verletzungen. Er wurde 28 Jahre alt.

Dass er seinen Konkurrenten versehentlich getötet hatte, belastete den heute 67 Jahre alten Behr lange Zeit. Nun haben er und seine Frau Zita Funkenhauser, selbst früher höchst erfolgreiche Florettfechterin, laut „Bunte“ Verwandte von Smirnows Witwe Emma aufgenommen, die vor dem Krieg aus der Ukraine geflüchtet sind. Die Enkelkinder und der alleinerziehende Witwer der Tochter von Emma Smirnowa leben bei der Familie in Tauberbischofsheim.

Matthias Behr ist mit seinem Schicksal „versöhnt“

Matthias Behr hilft das, das traumatische Ereignis von Rom weiter zu verarbeiten: „Endlich bin ich mit meinem Schicksal versöhnt, für mich schließt sich ein Kreis“, sagte er der „Bunten“. Der Unfall sei das „Lebensthema“ ihres Mannes, sagt Zita Funkenhauser: „Dass Matthias später an einer schweren Depression erkrankte, hatte sicher auch darin seine Ursachen.“ Behr und Funkenhauser sind beide Olympiasieger…